Herausgegeben von Caroline Socha-Wartmann und Matthias Sprünglin. Die Sammlung Kleine Dichtungen ist 1915 im Kurt Wolff Verlag erschienen und enthält 89 zumeist kürzere Prosastücke sowie das Dramolett Tobold. Robert Walser erhielt dafür seine erste und einzige öffentliche Auszeichnung, den Preis des "Frauenbund zur Ehrung Rheinländischer Dichter". Inhaltlich handelt es sich um literarische Porträts, Traumerzählungen, Reiseberichte, Landschafts- und Bildbeschreibungen, die Walser grossteils auf der Basis früherer Drucke in Zeitschriften und Zeitungen zusammengestellt hat. Ob sich in der Anordnung der Texte eine neue, von den früheren Sammlungen zu unterscheidende kompositorische Poetik beobachten lässt, ist eine aktuelle Frage der Forschung, zu deren Klärung dieser Band beiträgt. Der Band erscheint mit begleitender Elektronischer Edition und eingebundenem E-Book.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 10.02.2023
Rezensent Jörg Plath, der Robert Walser als "den bescheidensten unter den modernen Klassikern" schätzt, folgt gerne den Gedanken von Walsers flanierendem Ich-Erzähler, wenn dieser sich in den in diesem Band versammelten "Kleinen Dichtungen" die Sorgen von der Seele schreibt. Die 88 kleinen Prosastücke, 1915 erstmals publiziert, erscheinen nun als 7. Band der ingesamt fünfzig Bände umfassenden Kritischen Werkausgabe. Plath schätzt den gelassenen, lebensbejahenden Ton dieser kleinen Texte, geprägt von Walsers Blick für das Nebensächliche und Unaufgeregte, der sogar den düsteren Seiten des Lebens etwas Freundliches abgewinnen kann. Als das "Schwarzbrot jeder Werkedition" bezeichnet der Kritiker den Band: notwendig, aber etwas unspektakulär, denn das Manuskript wurde seit seiner Entstehung kaum verändert, auch unveröffentlichte Texte oder sensationelle Entstehungsgeschichten gibt es nicht. Bemerkenswert ist der editorische Aufwand, der dennoch in den Band gesteckt wurde, schreibt der Kritiker: Nummerierte Zeilen, die Daten der Erstveröffentlichungen und eine 120 Seiten starker Anhang sind ein schöner Zusatz, für die meisten Leser reiche aber wohl die einfache Suhrkamp-Ausgabe, schließt Plath.
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