Die erste Welt ist die unseres wirklichen Lebens mit allen Mühen, Frustrationen und Kompromissen. Die zweite Welt ist die der Träume, Wünsche und Illusionen. Wie hängen beide zusammen? Braucht man die zweiten, um die erste zu ertragen? Er untersucht die komplizierte Dialektik von Realität und Wunsch und entfaltet sie an so unterschiedlichen Themen wie dem Staunen, der Illusion, der Komödie oder der Katharsis, der Serie »Sex and the City« oder dem Phänomen der "Interpassivität". Seine Diagnose: Wenn wir keine Phantasie mehr haben, aus der wir erleichtert ins Leben flüchten können, gerät uns das Leben selbst zu einem auswegslosen Alptraum.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.01.2013
Laut Robert Pfaller leben wir in zwei Welten: in der Ich-konformen Welt des Alltags, in der wir uns immer weniger Freude oder Lust gönnen, und in der nicht-Ich-konformen Welt, in der wir noch Sex haben, rauchen und Alkohol trinken, die aber zunehmend in einer durchorganisierten Gesellschaft an den Rand und in die Fantasie gedrängt wird. Christoph David Piorkowski hat sich von dem österreichischen Philosophen gern an die "vitalisierende Logik der Überschreitung" erinnern lassen und gibt Pfaller recht, wenn dieser die neue Verbotskultur und rigider werdenden Gesundheitsdiskurse anprangert. Trotzdem mutet den Rezensenten diese Kulturkritik etwas "gestrig" an, vor allem weil Pfaller ein völlig veraltetes Bild von Öffentlichkeit pflege. Nach Ansicht des Rezensenten könne man in Zeiten von Facebook nicht wirklich von einem Zwang zur Intimität und dem Verschwinden von Öffentlichkeit ausgehen. Das führt Piorkowski zu seinem zweiten großen Kritikpunkt, der fehlenden Empirie, weshalb er das Buch zwar noch erhellend und unterhaltsam findet, aber seine Durchschlagskraft in Frage gestellt sieht.
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