Robert Louis Wilken

Der Geist des frühen Christentums

Cover: Der Geist des frühen Christentums
Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2005
ISBN 9783579054230
Gebunden, 240 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

aus dem Amerikanischen von Karl Nicolai. Gibt es so etwas wie eine spezifisch christliche Geistestradition? Oder wurde frühchristliches Denken größtenteils (oder gar ausschließlich) durch Einflüsse der griechischen und römischen Antike geformt? Dieser Frage geht Robert Louis Wilken in seiner erhellenden Studie nach. Er kommt zu dem Ergebnis, dass das Christentum weitaus weniger von den herrschenden philosophischen und kulturellen Einflüssen seiner Umwelt abhängig war, als es von der dogmengeschichtlichen Forschung seit dem 19. Jahrhundert postuliert wurde. Vielmehr bezog es seine vitale Kraft unmittelbar aus dem Leben der Kirche. In seinem Buch behandelt Wilken Themen wie den frühchristlichen Gottesdienst, christliche Dichtung und spirituelles Leben, die Trinität, Christus, die Bibel und Ikonen. Schon diese Zusammenstellung zeigt, dass die Denker des frühen Christentums nicht abstrakte Theorien entwickelt haben, sondern ihre Lehren aus der Vielfalt des kirchlichen Lebens heraus entstanden sind.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2005

Voll des Lobes ist Ekkehard W. Stegemann für dieses Buch von Robert Louis Wilken, das vor Augen führt, dass den bedeutenden frühchristlichen Denkern wie Origenes und Augustin, Basilius von Caesarea und Gregor von Nyssa Geistfeindlichkeit - entgegen einem geläufigen Vorurteil - fremd war. Wilken schildere nicht nur die Lehren dieser Denker, insbesondere die Trinitätstheologie und Christologie, sondern auch den Gottesdienst und die Riten, die Bedeutung der Schrift und ihrer Auslegung, die Auseinandersetzung mit der Gesellschaft und dem Staat. Ferner thematisiere er die poetische Kraft des frühchristlichen Geistes, seine bildliche Ausdrucksfähigkeit, die Moralität und die Lebensführung, und schließlich auch die Ängste und die Leidenschaften, wie sie in der Spiritualität als "Erkenntnis sinnlicher Intelligenz" gestaltet werden. Über eine bloße Dogmen- oder Theologiegeschichte und eine Abhandlung über die unzähligen Lehrdifferenzen und -streitigkeiten hinaus umfasst das Buch zur Freude des Rezensenten auch das Leben bedeutender frühchristlicher Denker vom zweiten bis zum siebten Jahrhundert. Beeindruckt zeigt sich Stegemann von der "stupenden Gelehrsamkeit" des Autors, sowie der "sprachlichen Leichtigkeit und inhaltlichen Verständlichkeit" der Darstellung: "Hier schreibt ein Meister, ganz ohne Zweifel, und einer, dem so jeder Ton des belehrenden Dünkels fehlt."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.07.2005

Als einen der wenigen angelsächsischen Kirchenhistoriker, die historische Analyse mit theologischem Nachdenken verbinden, würdigt Rezensent Wolfram Kinzig den an Universität von Virginia lehrenden Patristiker Robert Louis Wilken. Überaus angetan zeigt er sich von Wilkens nun vorliegendem Buch über das frühchristliche Denken, das sich nicht zuletzt durch seine "ganz unangestrengte, elegante Prosa" auszeichnet. Wilken suche zu zeigen, dass christliches Denken und Leben in der Alten Kirche eine Einheit bildeten, die Bibel Ursprungserzählung und Referenzpunkt war, Ziel die Liebe zu Gott und die Schau Gottes. Damit grenze er altkirchliches Denken sowohl von der antiken Philosophie ab, als auch vom Textfetischismus heutiger Bibelexegese. Um seine These zu belegen, schreite Wilken einen weiten Themenhorizont ab, präsentiere christliches Denken und christliche Existenz als Lebenskunst der höheren Art, erläutere die altkirchliche Bibellektüre und -kommentierung, skizziere die Hauptlehren des spätantiken Christentums, und beleuchte das geistige Inventar der damaligen Zeit in theologischen, kosmologischen und ethischen Fragen. Kinzig verschweigt nicht, dass Wilken die Grundwahrheiten seiner Konfession zu keiner Zeit zur Disposition stellt und als Katholik eine Theologie vertritt, mit der evangelische Kollegen nicht immer einverstanden sein werden. Er moniert, dass Wilkens Beschreibungen der Kirchenväter vom "Duft der Hagiographie" durchzogen sind. Nichtsdestoweniger: "Eine rundum lohnende Lektüre ist es allemal."
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