Robert Alter
Amos Oz
Autor, Friedensaktivist, Ikone

Jüdischer Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783633543342
Gebunden, 222 Seiten, 26,00 EUR
ISBN 9783633543342
Gebunden, 222 Seiten, 26,00 EUR
Klappentext
Amos Oz (1939-2018) gilt als einer der prägenden und prominentesten Autoren Israels. Sein Name und sein Werk wurden zum Inbegriff moderner hebräischer Literatur in aller Welt.Geboren als Amos Klausner, wuchs Amos Oz in Jerusalem auf. 1954 trat er dem Kibbuz Chulda bei und nahm den Namen Oz an, der auf Hebräisch Kraft, Stärke bedeutet. Amos Oz war einer der Gründer der Friedensbewegung Schalom Achschaw (Peace now). In Deutschland war er ein vielgefragter Gast. Sein Werk wurde unter anderem mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1992, dem Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main 2005 und dem Siegfried Lenz Preis 2014 ausgezeichnet. Sein bekanntestes Buch "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" wurde in alle Weltsprachen übersetzt und 2016 als Film adaptiert. Robert Alter schildert den Lebensweg seines langjährigen Freundes, dessen Verhältnis zu seiner Familie, das Leben im Kibbuz und Oz' Entwicklung als Autor und Friedensaktivist im Kampf für ein pluralistisches Israel.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 06.12.2024
Nicht vom recht hochtrabenden Titel abschrecken lassen, warnt Rezensent Marko Martin vor. Denn der New Yorker Literaturwissenschaftler und Bibelübersetzer Robert Alter hat keineswegs eine "Hagiografie" geschrieben, sondern eine so kenntnisreiche wie kluge, mitunter "subtile" Biografie des israelischen Schriftstellers und Friedensaktivisten Amos Oz. Martin liest hier noch einmal die wesentlichen Stationen aus Oz' Leben nach, vom frühen Suizid der an Depressionen erkrankten Mutter über die Jahre als Feldarbeiter und Traktorfahrer im Kibbuz und die Zeit als Soldat im Sechstage- und im Yom Kippur-Krieg bis hin zu den schriftstellerischen Erfolgen und Oz' politischem Engagement. Dabei gelingt es Alter auf eindrückliche Weise den Sinn für Ambivalenz des intellektuellen Menschenfreundes herauszuarbeite, der zeitlebens für eine Zweistaatenlösung eintrat, sich keinen Illusionen hingab und von Ultranationalisten ebenso angefeindet wurde wie von Antizionisten, staunt der Kritiker. Dass nicht jede tagespolitische Einzelheit in dieser ersten Oz-Biografie nachgezeichnet wird, verzeiht Martin gern, verdankt er Alter doch das sehr lesenswerte Porträt eunes so witzigen wie scharfsinnigen Humanisten und liberalen Zionisten, der, wie Martin befürchtet, heute wohl auf jedem Campus niedergebrüllt würde.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2024
Rezensent Jakob Hessing liest Robert Alters Studie über Amos Oz im Licht des Krieges, den Israel derzeit in Gaza und im Libanon führt. Das vielschichtige Porträt des Schriftstellers ist laut Hessing gleichzeitig warmherzig und sachlich geschrieben, viel Neues erfährt man freilich nicht über Oz' Leben, als Literaturwissenschaftler konzentriert sich Alter auf die Ausdeutung seiner Texte. Besonders wichtig ist Hessing zufolge Oz' "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis", ein Erinnerungstext des Autors, in dem er erstmals ausführlich den Selbtsmord seiner Mutter thematisiert, als ein prägendes, traumatisierendes Ereignis. Entlang des Buches zeichnet der Rezensent nach, wie Oz, in einer nationalistischen Familie aufgewachsen, ins Lager der Sozialisten überwechselt und dabei, im Bruch mit seinem Herkunftsmilieu, zu seiner Sprache als Schriftsteller findet. Schließlich spekuliert Hessing, im Anschluss an die Lektüre, noch darüber, ob das Scheitern des Nahost-Friedensprozesses in den 1990ern für Oz, der sich stets auch als Aktivist in Sachen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern verstand, ähnlich deprimierend gewesen sein mögen wie die Ereignisse, die seine Mutter in den Selbstmord trieben. Hessing empfiehlt ein nachdenkliches, komplexes Buch.
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