Rithy Panh

Auslöschung

Ein Überlebender der Roten Khmer berichtet
Cover: Auslöschung
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2013
ISBN 9783455502640
Gebunden, 238 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Mit Chrisophe Bataille. Aus dem Französischen von Hainer Kober. Rithy Panh ist 13 Jahre alt, als er innerhalb weniger Wochen seine gesamte Familie verliert - ausgelöscht durch die Gräueltaten der Roten Khmer. Eindringlich erzählt der mittlerweile international zu Ruhm gelangte Regisseur von seinen Erlebnissen unter dem Pol-Pot Regime und seinem Interview mit Duch, dem Folterchef des berüchtigten Folter- und Hinrichtungslagers S21, dreißig Jahre später. Vor der Kamera zeigt sich dieser nicht so bestialisch, wie man es hinsichtlich der unmenschlichen Leiden und der hohen Zahl seiner Opfer erwarten würde: Er ist ein gebildeter Organisator - ein Henker, der redet, vergisst, lügt, erklärt, an seiner Legende strickt. "Auslöschung" ist der Bericht über diese außergewöhnliche Konfrontation.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2013

Schwer zu sagen, was sich die FAZ davon versprochen hat, Joscha Schmierer zwei Bücher über die Terrorherrschaft der Roten Khmer besprechen zu lassen. Der einstige Chef des KBW hatte noch 1980 Pol Pot zu seinem erfolgreichen Kampf gegen den amerikanischen und sowjetischen Imperialismus gratuliert und sich von seinen damaligen Positionen nie öffentlich distanziert. Und auch in dieser Rezension sucht man Reflektion vergeblich, obwohl sich gerade Peter Fröberg Idling in "Pol Pots Lächeln" mit einem Besuch schwedischer Khmer-Sympathisanten auseinandersetzt, die den Terror damals nicht gesehen haben wollen. Rithy Panh dagegen berichtet als Augenzeuge von den Schrecken, die er im Foltergefängnis S 21 erlebt und erlitten hat. Schmierer empfiehlt beide Bücher, vor allem Fröberg Idlings Buch als Reflexion über die Begrenztheit des Augenscheins, die aber nicht in den Relativismus führen müsse, und belässt es am Ende bei recht trockenen Bemerkungen über seine eigene Verblendung.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.04.2013

Rithy Panh hatte das Glück, die Folterlager der Roten Khmer zu überleben, weiß Cristina Nord. Heute lebt er in Frankreich und dreht Filme, in denen er an die vier Jahre unter Pol Pot und die in dieser Zeit getöteten Menschen erinnert, damit die kambodschanische Gesellschaft ihre "Geschichtsvergessenheit" endlich überwindet. Jetzt hat er zu diesem Zweck gemeinsam mit dem Schriftsteller Christophe Bataille ein Buch geschrieben: "Auslöschung. Ein Überlebender der Roten Khmer berichtet". Die Rezensentin gibt gerne zu, dass dieses Buch geschrieben werden musste, auch oder besonders wegen der zahlreichen Intellektuellen, die das Regime wegen seiner antiimperialistischen Haltung in Schutz nehmen. Das Buch leistet aber leider nicht, was Nord an den Filmen noch sehr geschätzt hat: die souveräne Form, eine kluge und zurückhaltende Inszenierung, die dennoch in Details, wie den noch immer sicheren Handgriffen ehemaliger Wärter, die damalige Situation vor Augen führt. Das Buch wirkt auf Nord hingegen "sprunghaft, das Material ungebändigt".