Reinhold Messner erinnert sich zurück an die Jahre seiner Extremkletterei, in denen er die schwierigsten Routen der Alpen gemeistert hat, und erzählt anhand des Versuchs, im Sommer 2004 die Westwand des Ortler auf der Route der Erstbesteiger zu bezwingen, von einer Erstbegehung, die fast zur Katastrophe geführt hätte. Messner und seine beiden Kameraden versteigen sich und stecken plötzlich in einer 1000 m hohen vertikalen Felswand, über ihnen ein riesiger Eisüberhang. Ein Zurück gibt es nicht mehr. Es bleibt nur die Flucht nach oben. Was die drei Kletterer in dem unberechenbaren senkrechten Labyrinth rettet, sind letztlich jene untrüglichen Instinkte, die Messner zeitlebens auszeichneten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.08.2009
Dass sich Reinhold Messner noch einmal an den Ortler wagt, genauer an dessen Westwand, wie schon 2004, diesmal aber per Reflexion, kann Tobias Heyl nachvollziehen. Die Erinnerung an die damalige beinahe gescheiterte Besteigung liest er als Summe und Vermächtnis eines einzigartigen Bergsteigerlebens. Weil Messner für Heyl mit erzählerischem Talent gesegnet ist, gelingt dem Autor außer dem Bericht die Vermittlung grundsätzlicher Gedanken zum Bergsteigen, etwa darüber, was ihn auf den Berg treibt und zu den Strapazen einer Tour. Über den freien Willen liest Heyl hier, über das Glück des "Bei-sich-Seins". Und weil Messner weitgehend "unprätentiös" schreibt, ja technisch bisweilen, leuchtet es dem Rezensenten ein, dass dieser Mann im Berg am liebsten auf technische Hilfsmittel verzichtet und sogar schön bernhardesk losschimpft auf Alpenvereinsfunktionäre und Ökogutmenschen.
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