Das Bayerische Kochbuch hat die wechselvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts miterlebt. Vor dem Ersten Weltkrieg erscheint es zum ersten Mal als schmaler Band unter dem Titel "Kochbuch für Wirtschaftliche Frauenschulen auf dem Lande". Der damals fortschrittliche Schultyp setzt sich für die Bildung junger Frauen ein. Das erfolgreiche Lehrkochbuch wird gute 20 Jahre später unter dem Namen Bayerisches Kochbuch von Maria Hofmann neu bearbeitet und von ihr sieben Jahrzehnte betreut. Es tradiert nicht nur Rezepte, sondern spiegelt auch die Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts: politische Umbrüche, wirtschaftliche Veränderungen und gesellschaftliche Entwicklungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.01.2017
Den Weg zum Klassiker wie das bereits seit 1910 immer wieder verändert erscheinende "Bayerische Kochbuch" wird Regina Frischs Geschichte eben jenes Werkes nicht einschlagen, vermutet Rezensent Walter Schübler. Und doch liest der Kritiker die Studie der Sprachwissenschaftlerin, die neben wirtschaftlichen und technischen Erweiterungen auch gesellschaftliche und politische Phänomene nachzeichnet, mit Gewinn: Während 1916 beispielsweise französische Ausdrücke wie Sauce oder Püree "chauvinistisch-sprachpflegerisch" gestrichen wurden, erweiterte die spätere Herausgeberin Maria Hoffmann das Buch im Jahre 1936 um neue Rezepte für den von den Nationalsozialisten verordneten "Eintopfsonntag", erfährt der Kritiker. Interessiert liest Schübler darüber hinaus nach, wie Frisch Rezepte, Küchensprache, Typografie und Werbeeinschaltungen analysiert. Nicht zuletzt lernt der Rezensent hier, dass vieles, was heute auf dem Kochbuchmarkt als Neuheit verkauft wird, etwa das "Nose to Tail eating", lange selbstverständlich war.
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