Die Wissenschaft der menschlichen Berührungen ist jung. Vor kurzem noch galt bei Babys wie bei älteren Menschen: Anfassen verboten. Heute wissen wir: Neugeborene, die direkt nach der Geburt intensiven Hautkontakt erfahren, sind mit einem Jahr weniger schnell frustriert und können sich selbst besser beruhigen. Bis ins hohe Alter hinein bleibt körperlicher Kontakt essentiell wichtig für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Der Mensch ist ein Kontaktwesen, Streicheln kein Luxus, sondern Überlebensmittel. Wer berührt wird, lebt länger und erholt sich schneller von Erkrankungen. Ein Mangel an Berührung hingegen kann regelrecht krank machen. Rebecca Böhme zeigt, was in unserem Körper und Kopf passiert, wenn wir berührt werden, sie untersucht das Trendphänomen der Kuschelpartys und fragt nach der Möglichkeit von Berührung in Fernbeziehungen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.08.2019
Rezensent Oliver Pfohlmann sieht den Trend, in den sich das Buch der Hirnforscherin Rebecca Böhme eingliedert. Das Thema Körper und Körperkontakt, meint er, ist auch wegen #MeToo aktueller denn je. Böhme nun wirft für ihn mit dem neurologischen Blick allerdings ein neues Schlaglicht darauf, indem sie eine distanzierte Gesellschaft einerseits und die Bedeutung von körperlicher Nähe fürs Wohlbefinden andererseits einander gegenüberstellt, psychische wie physische Auswirkungen analysiert und erklärt, inwieweit Status und Geschlechterrollen hierbei wirksam sind. Pfohlmann lobt die leichte Verständlichkeit der Ausführungen.
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