Einer schreibt, dass er träumt, er lande mit fünf anderen auf einer einsamen Insel und beginne eines Abends am Lagerfeuer, eine Geschichte zu erzählen, von elf Menschen, die einer Frau, die im Sterben liegt, eine Woche lang Geschichten erzählen. Geschichten vom Glück, von der Liebe, von wahrer oder falscher Freundschaft, vom wahren oder falschen Leben, vom wahren oder falschen Ich, von der Zeit und ruhig auch vom Tod. Und los geht der Reigen. "43'586" ist eine augenzwinkernde Hommage an Boccaccios "Decamerone", entstanden notabene unter dem Eindruck der Pest-Pandemie. Und wie bei Boccaccio wird auch hier in erster Linie das Leben gefeiert. Und immer unter der Oberfläche hervorschimmernd: die lebenserhaltende Notwendigkeit des Erzählens an sich - und das Spiel damit. Bis dem Erzähler buchstäblich die Wörter ausgehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.08.2022
"Menschenfreundlich" nennt Rezensent Angelika Overath Ralf Schlatters an das Decamerone angelehnten Erzählreigen am Bett einer Sterbenden. Was da an Geschichtenerzählern und Geschichten zusammenkommt, findet sie mal nachdenkens-, mal schlicht staunenswert, mal komisch, mal traurig und mal wie eine Explosion. Es geht um Friedhofskatzen, die Liebe, den Tod oder um ein herbeifantasiertes Orchester in einem Zugabteil, teilt Overath mit. Miniaturen in "romantischer Tradition", die am Ende auch die Erzählenden untereinander verbinden, stellt die Rezensentin verblüfft fest.
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