Lisa hat ihren eigenen Kopf: Sie weiß, was sie nicht will. Eine eigene Familie will sie nicht; es gibt Männer in ihrem Leben, aber den einen Mann an ihrer Seite braucht sie nicht, will sie nicht. Sie arbeitet erst als Buchhändlerin, später in einem Hamburger Zeitungsverlag, gerne, fleißig, aber ohne Ambitionen. Und sobald sie die Tür ihrer kleinen Wohnung hinter sich schließt, ihr Kater Bello auf sie zurast, ist die Arbeit vergessen. Den einen Mann an ihrer Seite gibt es irgendwann, allerdings einen, der nicht ganz ihrer ist, aber auch das stört Lisa nicht. Mindestens einmal die Woche kommt er zu ihr, und dann zählt nur sie. Lisa geht weiterhin ihren Weg, konsequent, zufrieden, wobei Lisa dieses Wort nie in den Mund nehmen würde. Bis ihr irgendwann das Leben einen Strich durch die Rechnung macht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.07.2021
Rezensent Oliver Jungen bekommt mit dem neuen Roman von Rainer Moritz beileibe keine Avantgarde. Muss er auch nicht, weil Moritz so schön von seiner Generation erzählen kann, als Geld und Glück noch Zinsen abwarfen. Doch nicht nur das. Verschiedene Epochen der BRD blättert der Autor anhand der Biografie seiner Protagonistin vor Jungen auf, detailreich und in Personalperspektive. Was Jungen hingegen wirklich nervt, sind die Altmännerfantasien im Text. Wenn Moritz das Sexualleben seiner Heldin vor dem Leser ausbreitet, möchte der Rezensent lieber ganz woanders sein.
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