Rachel Kushner

Flammenwerfer

Roman
Cover: Flammenwerfer
Rowohlt Verlag, Reinbek 2015
ISBN 9783498034191
Gebunden, 560 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell. 1975: Die Hobby-Motorradrennfahrerin Reno (so ihr Spitzname, nach ihrem Geburtsort) kommt nach einem Rekordversuch auf den großen Salzseen nach Manhattan, um in die kreativ explodierende Künstlerszene SoHos einzutauchen. In einer Welt, in der die Grenzen zwischen Leben und Kunst verschwimmen, trifft sie auf eine Schar von Träumern, Revoluzzern und Phantasten: Unter ihnen auch Sandro Valera, erfolgreicher Konzeptkünstler und exzentrischer Erbe einer italienischen Reifen- und Motorrad-Dynastie, in den sie sich verliebt. Aber bei einem Besuch bei seiner Familie in deren Sommerresidenz am Comer See gerät sie in den Strudel einer echten Revolte, die sich in Streiks, Straßenkämpfen, Entführung und Mord Bahn bricht ...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.04.2015

"Wild, intellektuell, europäisch und amerikanisch", jubelt Rezensent Hans-Peter Kunisch nach der Lektüre von Rachel Kushners zweitem Roman "Flammenwerfer", der ihn sowohl in die New Yorker Kunstszene als auch nach Oberitalien führt. Er folgt hier der jungen Künstlerin Reno, die auf den in der Minimal Art bekannten italienischen Motorrad-Dynastie-Spross Sandro trifft, eine Beziehung beginnt, sich von ihm zur motorradfahrenden Kunst-Rockerin stilisieren und ausnutzen lässt. Begeistert lässt sich der Kritiker von Kushner durch die ungebändigte New Yorker Kunst-Szene der siebziger Jahre führen, trifft auf zahlreiche kuriose Charaktere, folgt der Autorin beim Sprengen gängiger Gender-Diskussion, verzeiht gern die bisweilen allzu "politische Reiseprosa" im italienischen Teil dieses äußerst mutigen Buches und bewundert nicht zuletzt Kushner Vermögen auch aktuelle Ereignisse, etwa den arabischen Frühling oder die internationale Occupy-Bewegung, glaubhaft einzubinden.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.03.2015

Bernadette Conrad reist eigens in die USA, um die Autorin zu treffen. Den Rezensensionstext hätte sie aber auch ohne Spesen schreiben können, schließlich erfahren wir nicht viel mehr, als dass Rachel Kushner ihre durchaus persönliche Künstlerinnengeschichte sowohl mit politischen, feministischen Unterströmungen als auch mit der Atmo der 1970er ausstattet. Vor allem aber sind es die Leerstellen, die Conrad faszinieren, und darüber lässt sich naturgemäß nicht sehr viel sagen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.03.2015

Ijoma Mangold ist geneigt, Rachel Kushners eigener Beschreibung ihres Romans "Flammenwerfer" zu widersprechen. Während sie die Kunstszene im New Yorker Bezirk 'SoHo' der Siebziger, eine Art "Eldorado intellektuellen Hipstertums", als historischen Moment beschreiben will, dessen revolutionäres Potenzial damals ungeklärt war und eigentlichen auch bis dato ist, kommt dem Rezensenten das Buch vor wie eine "Satire auf die großen Berserker der Kunstszene", die sich als Revoluzzer gerieren, um exzentrische Kunst zu verkaufen. So oder so, der Roman ist fantastisch geschrieben, findet Mangold, die Figuren sind komplex und auch die Desillusionierung der Nachgeborenen kann die verlockende "Sehnsucht nach avantgardistischem Welttheater" nicht ganz verhindern, gibt der Rezensent zu.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.03.2015

Auf grandiose Coolness trifft Christian Bos in Rachel Kushners in den USA schon weidlich gefeierten Roman über die "flammenwerfende" Kunststudentin Reno und ihren reichen Machofreund im New York der 70er. Der Text scheint Bos richtig mitzureißen, obwohl er keine einfachen Antworten gibt auf die Fragen der sich beschleunigenden Moderne. Das liegt an den feurigen Charakteren, plastisch bis zur Schmerzhaftigkeit, wie Bos uns vermuten lässt. Auch wenn der Rezensent fast die Orientierung verliert, wenn die Protagonisten auf dem Feuerstuhl bis nach Italien und in die Wirren der Weltkriege und der Roten Brigaden brausen - mehr als eine gut beobachtete Satire auf den hochgekochten Kunstbetrieb anno 1975 in Soho ist das Buch für ihn allemal.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2015

Die Autorin tritt das Gaspedal durch und schickt ihre Helden, eine coole Kunststudentin und einen Machoman mit Geld durch den Irrsinn der New Yorker Künstlerszene Mitte der 1970er. Rezensentin Felicitas von Lovenberg findet das zunächst aufregend, inhaltlich stark und erzählerisch gekonnt. Schon möchte sie in den Jubelchor der amerikanischen Rezensenten einstimmen, die Rachel Kushner umschwirren. Die im Raum stehende Frage, ob eine Frau die Great American Novel schreiben kann, erübrigt sich scheinbar. Irgendwann jedoch treibt es die Autorin für Lovenberg doch zu wild. Spätestens wenn Kushner Kunsttendenzen, politischen Aufbruch und Meditationen über das Vergehen der Zeit in ihrem Buch unter einen Hut zu bringen versucht, fallen der Rezensentin neben klugen Reflexionen leider auch bombastische Momente auf, in denen das Tempo allzu rasant ist und der Text die Detailbeschreibungskunst der Autorin einfach überrollt.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 28.02.2015

Es gibt jene, die Rachel Kushner vorwerfen, ihr Roman "Flammenwerfer" sei ein "Macho-Roman", eine "Erzählung im Stil des Pirelli-Kalenders", weiß Wieland Freund, allerdings scheinen sie die zahlreichen "Alternativhistörchen" und "Mikrogeschichten" schlicht überlesen zu haben, die Kushner in dieses Buch eingeschrieben und oft mit einer spezifischen Farbcodierung versehen hat, erklärt der Rezensent: "immer der gleiche Blauton: Frömmigkeit, Himmel, Vergessen", heißt es sogar im Buch, verrät Freund, und dieses Blau wird im Roman eher zur Allegorie einer männlichen Aggression und Missachtung des Weiblichen, so der Rezensent.
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