Qinglian He räumt grundlegend mit dem Mythos "vom Wandel durch Handel" auf. Anders als viele professionelle China-Beobachter, die, fixiert auf die hohen Wachstumsraten, nur den vermeintlich unaufhaltsamen Aufstieg Chinas zur Großmacht sehen, beschreibt sie das heutige China als ein Land, das gesellschaftlich "auf einem Vulkan" sitzt, der jederzeit ausbrechen kann. Trotz der bemerkenswerten Öffnung Chinas und größerer gesellschaftlicher Freiheiten hat es die neue herrschende Schicht bisher vermocht, eine breite gesellschaftliche Bewegung für eine soziale, gerechte, marktwirtschaftlich orientierte und demokratische Gesellschaft zu verhindern. Das starre Festhalten an der diktatorischen Einparteienpolitik wird die Probleme weiter verschärfen.
Bestnoten vergibt Rezensent Tilman Spengler an diese Studie der chinesischen Wirtschaftwissenschaftlerin Qinglian He, die er zum Besten zählt, was in den letzten Jahren über China geschrieben wurde. Es geht seinen Informationen zufolge um die enorme Kluft, die durch den rasanten Aufstieg Chinas zur Wirtschaftsmacht zwischen Modernisierungsgewinnern und -verlierern entstanden ist. Inzwischen sei China das Land mit den spektakulärsten Unterschieden zwischen Arm und Reich auf der Welt. Dies sei zu einer gewaltigen Bedrohung des sozialen Friedens im Land geworden. Die Autorin untersuche neben strukturellen Problemen zwischen Land und Stadt auch Fragen der Inkompatibilität zwischen kommunistischer und marktwirtschaftlicher Mentalität, deren Lösung sie einzig in einer Demokratisierung sieht. Sie argumentiert im Rahmen ihrer klassischen politökonomischen Studie außerdem "in einem chinesisch altmodischen Sinn moralisch", was für den Rezensenten ein besonderes Qualitätsmerkmal ist. Auch beeindruckt die Autorin ihn mit einer "fast erdrückenden Materialmenge", die aus seiner Sicht jedoch im Spannungsfeld ihrer Argumente und Betrachtungsweisen nie langweilig wird.
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