Peter Weingart

Die Stunde der Wahrheit

Zum Verhältnis der Wissenschaft zu Politik, Wirtschaft und Medien in der Wissensgesellschaft
Velbrück Verlag, Weilerswist 2001
ISBN 9783934730298
Gebunden, 383 Seiten, 40,39 EUR

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2002

In seiner "eingehenden" Studie "Die Stunde der Wahrheit?" untersucht Peter Weingart das komplexe Verhältnis der Wissenschaft zu Politik, Wirtschaft und Medien, berichtet Rezensent Uwe Justus Wenzel. Wie Wenzel in seiner primär referierenden Besprechung ausführt, spricht sich der Wissenschaftssoziologe Weingart dezidiert gegen die Verwischung der Grenzen von Wissenschaft und Gesellschaft aus, wie sie beispielsweise Michael Gibbons und andere postulieren oder wie sie auch im grassierenden Konzept der "Interdisziplinarität" immer wieder laut werden. In solchen Visionen erblicke Weingart Anzeichen für einen "wissenschaftspolitischen Populismus". Die Wissensgesellschaft benötigt nach Weingart einen Mechanismus, der, so Wenzel, "Wissen 'zertifiziert', der es als zuverlässiges, sicheres und darum akzeptables Wissen auszeichnet". Deshalb habe institutionalisierte Wissenschaft nach wie vor nicht ihr "Funktionsmonopol" eingebüßt. Weingart warnt laut Rezensent zudem eindringlich vor den Gefahren einer zunehmenden Kommerzialisierung und Privatisierung von Wissen durch die "industrielle" Forschung und die in großem Maßstab betriebene privatwirtschaftliche Wissenschaft.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2001

Die Wissenschaft ist nicht mehr, was sie einmal war: eine Sache des Glaubens, mit Hoffnung auf Fortschritt und Erlösung durch Technik. Den Veränderungen der Rolle der Wissenschaften geht Peter Weingart in seiner Untersuchung nach, er bedient sich dabei einer "erfreulich undogmatischen" - meint der Rezensent Hauke Brunkhorst - Spielart der Luhmannschen Systemtheorie. Der Hinweis auf den Abschied von Wahrheit, auf den Bezug zu den Subsystemen der Massenmedien und der Wirtschaft, liegt ganz auf dieser Linie. Nach Brunkhorsts Auffassung geht Weingart jedoch einen entscheidenden Schritt zu weit, wenn er Politik und demokratische Kontrolle für weniger bedeutsam hält als die strikte Kopplung der Wissenschaft ans System der Wirtschaft. Hier widerspricht der Rezensent kategorisch: um die Risiken und Nebenwirkungen von Wissenschaft müsse sich die Politik kümmern, nicht die Wirtschaft - genauso wie um die Gewährleistung der Autonomie der Wissenschaft.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001

Ulf von Rauchhaupt ist von dem Buch über die Frage, ob Wissenschaft dabei ist, ihr Ansehen und ihre Autorität zu verlieren, sehr angetan. Er lobt den Bielefelder Autor für seine "handfesten Thesen" und den Verzicht auf jegliche "Theorieschnörkel", die die Lektüre unnötig erschweren könnten. Zwar seien die Symptome für den Prestigeverlust der Wissenschaft, die die Studie aufführt, keineswegs neu, doch habe es Weingart trotzdem verstanden, ein gewinnbringendes Buch zu schreiben. Das liegt, wie der Rezensent meint, vor allem am "Reichtum an wohlgeordneten Fakten" und der "historischen Tiefenschärfe", mit der der Autor sein Thema untersucht.