Straßennamen erzählen Geschichte - dennoch sind sie bisher kaum Gegenstand eingehender Forschung geworden. Im Fall der Stadt Köln erstaunt das umso mehr, als Köln im Mittelalter eine der größten und bedeutendsten Städte Europas war. Ihre ältesten Straßennamen lassen sich bis ins 10. Jahrhundert zurückverfolgen. Das zweibändige Buchprojekt hebt nicht nur den Namensschatz der Stadt Köln, sondern macht auch einzigartig und beispielhaft die enge Verflechtung von Stadtraum und Straßennamen als Verhältnis von Sehen und Bezeichnen sichtbar. Im ersten Band entwirft Peter Glasner anhand der Kulturgeschichte der Straßennamen eine Mentalitätsgeschichte des kollektiven Sehens. So entsteht ein Modell der Wahrnehmung des öffentlichen Raumes im Wandel zwischen Mittelalter und Neuzeit - denn das Sehen hat Geschichte. Der lexikalische zweite Band führt Herkunft, Bedeutung und Geschichte der mittelalterlichen Straßennamen anhand von über 4600 Bezeichnungsbelegen vor Augen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.02.2003
Peter Glasner hat eine ehrgeizige These aufgestellt, behauptet Karl-Heinz Göttert, die er zu beweisen angetreten sei: nämlich wie sich in namengebenden Prozessen das kollektiv Unbewusste niederschlägt. Straßenbenennung als ein Stück Mentalitätsgeschichte. Dafür ist Köln bestens geeignet, berichtet Göttert, da die Stadt seit dem 12. Jahrhundert über ein Schreins- und Grundbuchwesen verfügt. Statt etymologisch herumzurätseln, lässt sich konkret verfolgen, welches Handwerk wo vertreten war, denn bis zum Mittelalter benannten die Menschen Straßen und Plätze, lautet eines der wichtigsten Ergebnisse des Buches, nach ihrer Rolle im Alltag: das waren die Gewerbe, die örtliche Beschaffenheit, der Lebensmittelpunkt Kirche. Das wandelte sich im Laufe des Mittelalters, als der sakrale zugunsten des wirtschaftlichen Raums zurückgedrängt wurde. Dass Straßen nach Personen oder historischen Ereignissen benannt werden, erläutert Göttert, ist überhaupt eine Tendenz der jüngeren Zeit. Im Mittelalter benannte man die Straßen nach dem, was man dort sah, sie verorteten tatsächlich das kollektive Gedächtnis; heutzutage fungieren Straßenschilder wie Denkmäler, sie erinnern an etwas, das man sonst womöglich nicht mehr erinnert.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…