Das 19. Jahrhundert war ein Jahrhundert der Gegensätze, zwischen der Welt von gestern und der Welt von heute: Revolution und Reaktion, Wissenschaft und Aberglaube, freie Sexualität und Prüderie. Anhand der Stationen in Schnitzlers Leben zeichnet Peter Gay die Biografie dieser Epoche. Das Leben des Dr. Arthur Schnitzlers ist exemplarisch für diese Zeit der Umbrüche, denn nur wenige Autoren haben so penibel über ihr Innenleben Buch geführt wie er. Zu Lebzeiten publikumsscheu in privaten Dingen, vertraute Schnitzler seinen Tagebüchern intimste Details seiner Seelenzustände an. Das opulente und sinnliche Portrait einer vergangenen Epoche, die unsere Gegenwart wesentlich mitgeprägt hat - das Fin de siècle.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.05.2012
Überraschend bis kühn findet Rezensent Oliver Pfohlmann Peter Gays Versuch einer Neubewertung des Viktorianischen Zeitalters. Dass man damals Sex gehabt habe, möchte Pfohlmann ja nicht bestreiten. Doch wieso dann eigentlich die Sexualreform? Und wenn Gay die Mitschuld des Bürgertums am Ersten Weltkrieg in Zweifel zieht, verweist der Rezensent auf den bürgerlichen Ehren- und Männlichkeitswahn. Dass Gay Schnitzler für seine Thesen in Anspruch nimmt, kann Pfohlmann übrigens auch nicht ganz nachvollziehen. War Schnitzler nicht eher ein Mann der Jahrhundertwende als des 19. Jahrhunderts? Als materialreiche Kulturgeschichte des amerikanischen und europäischen Bürgertums taugt ihm der Band schon, für Schnitzlers Zeitalter aber empfiehlt er Philipp Bloms "Der taumelnde Kontinent".
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