Peter Carey

Mein Leben als Fälschung

Roman
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783100102263
Gebunden, 282 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Regina Rawlinson. Ein Schriftsteller will seinem Land eine Lektion erteilen und erfindet einen Dichter, dem er allerlei modernes Liebesgeflüster in die Feder legt. Doch was geschieht, wenn jemand die falsche Biografie für sich reklamiert? Und sich für den Künstler erklärt? Eine wilde Verfolgungsjagd zwischen Phantom und Schöpfer beginnt und führt von Australien in den Dschungel Borneos bis ins tropische Chaos Kuala Lumpurs. Hier fristet der Schriftsteller schließlich als Fahrradmechaniker sein Leben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.09.2005

Mit gleich vier Erzählern "jongliere" Peter Carey, staunt Sacha Verna, um eine höchst unglaubwürdige Geschichte gleichzeitig zu enthüllen und zu verrätseln. Als historische Vorlage seiner Geschichte gebe Carey am Schluss des Romans einen australischen Dichter an, der sich für einen von ihm erfundenen pornografischen Autor vor Gericht verantworten musste. Carey, so der Rezensent, habe daraus ein "schillerndes Capriccio", eine in jeder Hinsicht bezaubernde Hymne auf den Schwindel der Literatur entwickelt. Bei Carey begegne der dichtende Erfinder des Dichters seiner Kreatur sogar leibhaftig wie bei Frankenstein, was zu einer Verfolgungsjagd durch tropische Länder ausarte. Auf die Suche nach beiden begibt sich eine dritte Hauptfigur, die Herausgeberin einer Literaturzeitschrift, nachdem sie in dem fiktiven Dichter ein Genie entdeckt zu haben glaubt. Und so weiter und so fort verwandle Carey Zeiten, Räume und Stimmen in "flüssige Prosa" und treibe den Leser "buchstäblich bis zur letzten Seite", so Verna zufrieden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.03.2005

Ulrich Baron kennt keine Gnade: Noch sei nicht erwiesen, dass das Leben immer die besten Geschichten schreibe, "aber wenn es sich anstrengt, schreibt es allemal besser als Peter Carey". Baron lässt kein gutes Haar Careys Werk, ihn stört alles. Angefangen beim Titel, der klinge, als wolle Carey mit Philip Roth konkurrieren. Wie der Rezensent im Folgenden dann entsetzt feststellt, will Carey aber sogar das Leben selbst "übertrumpfen". Die Posse der Anti-Modernisten Harold Stewart und James McAuley", die eine Literaturzeitschrift mit Manuskripten eines erfundenen Dichters beeindruckten, böte "wahrlich Stoff für einen intelligenten, metapoetischen Roman", seufzt Baron. Aber nein, Carey packe alles in eine "ausufernde" fiktive Rahmenhandlung einer Dschungeljagd. Und selbst der Name des Protagonisten Bob McCorkley erscheint dem Rezensenten als böses Omen. Der klinge nämlich so, "wie der Roman sich liest".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2005

Es gibt berühmte literarische Skandale, von denen Georg Sütterlin gleich einige einfallen: wie Wolfgang Hildesheimer einmal die fiktive Biografie eines englischen Ästheten als sorgfältig recherchierte Dokumentation vorlegte und die Kritiker drauf reinfielen; wie Romain Gary als Emile Ajar publizierte und plötzlich Verrisse erntete. Um sich keine Blöße zu geben, verkündet Sütterlin am Ende, dass es ihm völlig egal sei, was der Autor im Anhang seines Romans vermerkt habe über den authentischen Hintergrund seiner Geschichte. Er recherchiere das nicht nach. Viel wichtiger sei, ob wahr oder falsch oder halbwahr, dass Carey ein höchst unterhaltsames, intelligentes, witziges Buch geschrieben habe, das wundervoll gezeichnete Charaktere und einen Haufen südostasiatischer Kuriosa zu bieten habe. Der Plot: Die Herausgeberin einer ambitionierten Lyrikzeitschrift heftet sich auf die Spuren eines vergessenen australischen Dichters, der angeblich als Fahrradmechaniker in Kuala Lumpur leben soll. Bei Carey, resümiert Sütterlin, sei die literarische Fälschung nicht nicht etwa Methode, sondern Thema. Aber ganz sicher ist er sich da auch nicht.
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