Die infolge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise seit dem Jahr 2008 neu entfachten Diskussionen über das Verhältnis von Markt, Staat und Politik lenken die Aufmerksamkeit auf Problemlagen, deren Ursprung maßgeblich in den Umbrüchen seit den 1970er-Jahren zu suchen ist. Sowohl Großbritannien als auch die Bundesrepublik teilten in diesen Jahren die Erfahrung ökonomischer Krisenanfälligkeit. Angesichts tiefgreifender sozioökonomischer Wandlungsprozesse war der politische Diskurs hier wie dort durch heftige ideologische Kämpfe und von der Suche nach neuen politisch-ideellen Grundlagen für das Marktgeschehen geprägt. Die Studie beleuchtet diese ideellen Neuverortungen mittels einer vergleichenden Analyse der Marktdiskurse der deutschen Christdemokratie und der britischen Konservativen. Als analytische Kategorie einer kulturgeschichtlich erweiterten Parteiengeschichtsschreibung fasst der Begriff des Marktdiskurses komplexe Aushandlungsprozesse und semantische Auseinandersetzungen über die Ordnung des Verhältnisses von Markt und Staat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2020
Benedikt Stuchtey lässt sich von Peter Beule die Marktdiskurse der deutschen CDU und der britischen Konservativen unter Thatcher erläutern, wie sie sich in den siebziger Jahren gegenüberstanden. Wie der Autor die Marktdiskurse auf politische Vorstellungen und nationale Eigenheiten und Traditionen hin abklopft, scheint Stuchtey lesenswert. Wie etwa der britische Multiminister Keith Joseph die britische Position von der deutschen Marktwirtschaft abgrenzte, kann Beule dem Rezensenten plausibel zeigen.
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