1961, vor jetzt 50 Jahren, begann Paul Nizon, seine Journale zu führen. Täglich notiert er dort, was ihm wichtig ist, und hält so die Wahrnehmung auf sich und die Welt wach. Was als Alltagsprotokoll, Autobiografie und Werkstattbericht begann, hat sich längst zu etwas Eigenständigem ausgewachsen, zur anderen Seite von Paul Nizons Werk. Vier Journale sind bislang erschienen, und von Buch zu Buch ist mehr offenbar geworden, dass sich hier jemand sein Leben erschreibt, seinen Lebensroman erfindet. In Urkundenfälschung, dem Journal über die Jahre 2000 bis 2010, finden sich Alltagsbeobachtungen und Erzählungen, Porträts von Schriftstellern und Zeitgenossen, Traumsequenzen und Stadtminiaturen, die einem zum sofortigen Aufbruch verlocken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2012
Es ist nicht das erste Buch, das Rezensent Friedmar Apel von Paul Nizon liest, deshalb weiß er, dass der Schweizer Autor auch anders kann, wunderbare Alltagsszene und bezaubernde Miniaturen zu Beispiel. Aber was Nizon in diesem Journal vorlegt, ist Apel geradezu peinlich. Ein unaufhörliches "Bramarbasieren" über die eigene Bedeutung bei gleichzeitiger Wehleidigkeit angesichts des ausbleibenden Erfolgs (natürlich nur in pekunärer Hinsicht). Schlimm findet Apel auch, wie oft und wie gedrechselt Nizon seine Ausnahmeexistenz im Leben und Schreiben, Schreiben und Leben, Schreibleben und Lebschreiben beschwört. Als wären seine Leser begriffsstutzig!
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.01.2012
Paul Nizons Journal "Urkundenfälschung" aus den Jahren 2000-2010 entlockt dem Rezensenten Andreas Bernhard keine große Begeisterung. Ästhetische und poetologische Reflexionen und Kommentare, die sehr häufig um das eigene Werk und den eigenen Status als Autor kreisen, nehmen in dem Band breiten Raum ein - nicht immer zur Freude des Rezensenten. Nizons Haltung einer kompromisslosen poetischen Existenz, sein dezidierter Rückzug aus der Außenwelt, ja sein "Kultus der Isolation", hat für Bernhard bisweilen etwas Befremdliches an sich. Andererseits findet er in dem Band immer wieder beeindruckende Passagen wie das Kurzporträt Siegfried Unselds. Insgesamt aber findet er die ständige Beschäftigung des Autors mit seinem eigenen literarturgeschichtlichen Rang doch ermüdend.
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