Der Traum von der gerechten Gesellschaft, der am Ende der Offenbarung des Johannes das Neue Testament abschließt, durchzieht die Geschichte Europas wie ein roter Faden. Es ist die Vorstellung vom heiligen Jerusalem als Sinnbild der himmlischen Stadt: Kein Unrecht und kein Übel findet Einlaß an diesem Ort. Kein Herrscher darf sich über seine Untertanen erheben. Paul Badde erzählt die fast zweitausendjährige Geschichte des Abendlandes in fünfzig Schlüsselszenen. Er führt uns durch das Haus Europa wie durch ein Museum, von Gemälde zu Gemälde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2000
Mehr als die Hälfte ihrer Besprechung widmet Marianne Kneuer dem Thema der Utopie wie sie es vielleicht angefasst hätte, - um dann dem Autor zu bescheinigen, dass er sich dieser eher wissenschaftlich verstandenen Umkreisung des Themas verschlossen hat. Vielmehr empfindet die Rezensentin sein Buch als "fast romanhaften Essay". Ausgangspunkt des Autors ist die Offenbarung des Johannes, dessen Vision für ihn der "Schlüssel zum Geheimnis Europas" ist. Als Methode hat er das Reisen als persönliche Spurensuche in Zeit und Raum gewählt, und damit auch eine Schreibweise, die von der Rezensentin wenig begeistert als "teilhabender Stil" bezeichnet wird. Auch hier kommt es dem Autor, wie sie kritisch anmerkt, offenbar nicht auf Vollständigkeit an, vielmehr biete er ein subjektiv ausgewähltes Mosaik von Städten und Textbezügen, beispielsweise Jerusalem, Aachen und Augustinus, nicht aber Toledo oder Sevilla. Die "Zeichen und Spuren der Himmlischen Stadt", wie Badde sie sucht und findet, werden für die Rezensentin am Ende fast zu einer Art Reiseführer, dessen Qualität sie dort bemängelt, wo die eigene Erfahrung tiefer geht, dessen Funde sie aber trotzdem lobt, nämlich dort, wo er ihr Unbekanntes vorführt und neue Erfahrung verspricht.
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