Patricia Highsmith

Der süße Wahn

Roman
Cover: Der süße Wahn
Diogenes Verlag, Zürich 2003
ISBN 9783257064070
Gebunden, 443 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Christa E. Seibicke. Ein junger Mann, David Kelsey, lebt zwei Leben zugleich. Während der Woche ist er der keusche Bewohner einer billigen Pension - und am Wochenende bewohnt er unter anderem Namen ein hübsches Haus, das für zwei eingerichtet ist, und wartet auf die Frau, die er liebt. Doch Annabelle kommt nicht, denn sie hat einen anderen geheiratet. David Kelsey sieht darin kein großes Problem. Er muss Annabelle nur davon überzeugen, dass sie eigentlich ihn liebt. Bis es zwischen den Rivalen zum Kampf kommt und einer tot am Boden liegt. 'Der süße Wahn' ist Patricia Highsmiths verstörendstes Buch über blinde Liebe, Verstellung, Mord und das menschlichste Motiv von allen: die verzweifelte Suche nach Glück.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.01.2004

Niemand anderes als Patricia Highsmith konnte Langeweile so spannend schildern, die Ödnis eines Lebens so beklemmend vermitteln, dass es förmlich nach einer gewaltsamen Lösung schreit, bringt Burkhard Müller seine Begeisterung für die verstorbene, einst in der Schweiz beheimatete amerikanische Schriftstellerin auf den Punkt, der der Diogenes Verlag nun eine auf fünfunddreißig Bände angelegte Werkausgabe widmet. Der Protagonist ist dem "süßen Wahn" der Liebe in Gestalt von Annabelle verfallen, erzählt Müller, für die er sogar ein Wochenendhaus anmiete, auch wenn sie nur als Schimäre anwesend sei. Eher durch Zufall ermorde David zwei Menschen, berichtet Müller weiter, doch erscheine diese Gewalt wie notgedrungen, wie selbstverständlich: "Moral hat in dieser gedrückten dichten Atmosphäre aufgehört zu existieren", schreibt der Rezensent beeindruckt; anders als in einem klassischen Krimi ginge es auch nicht darum, wie in einer "frivolen Denksportaufgabe" das Tötungsdelikt zu klären oder die moralische Ordnung wiederherzustellen, meint Müller, dafür liebe Highsmith ihren unglücklichen Helden viel zu sehr. Erst ganz zum Schluss stelle sich das klinische Bild der Schizophrenie ein, damit verpuffe dann der rein kriminalistische Effekt, den man ihr ebenso gut abgekauft hätte.
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