Als eine Art "Feldstudie" bezeichnet Oliver Godow sein Projekt über Oslo, für das er fünf Jahre lang immer wieder in die norwegische Hauptstadt fuhr. Ausgangspunkt war der umfassende Umbruch, in dem sich Oslos Stadtkern befindet: Zusammen mit der Großbaustelle des neuen Nationalmuseums bilden weitere Neubauvorhaben für das Munch Museum und die Deichmanske Bibliothek eine Stadttangente von fast 1km in Planung, die europaweit ihresgleichen sucht. Dabei interessieren Godow die Formen und Farben, das Licht und die Klarheit, Plakate, Ecken, Haltestellen. Seine Aufnahmen sind kühl, minimalistisch, poetisch und kommen ohne digitale Nachbearbeitung aus - sie stehen einfach für sich. Serien dieser Art, in denen er Topografisches und Gegenständliches auf bloße Flächenwirkungen reduziert, hat er bereits über Städte wie Berlin, Frankfurt, Rotterdam, Winterthur und Zürich erarbeitet.
Hanno Hauenstein geht mit Oliver Godow auf eine ungewöhnliche Sightseeing-Tour durch Oslo. So wie der Fotograf die Stadt festhält, hat Hauenstein sie noch nie gesehen, da Gesehenes und Gewusstes, wie Hauenstein schreibt, in den Bildern maximal geschieden erscheinen, während der Unterschied zwischen Malerei und Fotografie verwischt. Statt Realitätgetreues schaut der Rezensent Reflexionen, Formen, Licht, Zigarettenstummel, Pappe, Asphalt, Glas, Müll. Wie der Bauboom die Stadt zwischen den Jahren verändert hat, ahnt Hauenstein dennoch oder gerade deshalb. Und auch Schönheit entdeckt der Fotograf weiterhin, beruhigt uns der Rezensent, wenn auch im Unschönen.
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