Aus dem Russischen von Elke Erb unter Mitwirkung von Sergej Gladkich. Während im fernen Moskau Gorbatschow das Ruder übernimmt und die UdSSR langsam und sicher auf ihr Ende zusteuert, liegen im noch ferneren Judatin, einem öden Winkel nahe der sowjetisch-finnischen Ostseegrenze, zwei Bengel krank im Bett. Der eine verbringt hier seine Ferien und träumt von Marilyn Monroes Titten; der andere, Abkömmling von Kryptojuden, die sich vor Jahrhunderten in dieser Einöde vor dem Zaren versteckt haben, fiebert nach seiner Beschneidung der Ankunft des Propheten Elias entgegen. Sie stammen aus verschiedenen Universen, wie alle Pubertierenden bewohnen sie aber dasselbe Haus: Nur durch hellhörige Wände voneinander getrennt, lauschen sie mit spitzen Ohren, um zu verstehen, was um sie herum vorgeht, und setzen sich daraus in ihren erhitzten Gehirnen die Welt zusammen. Als sie hören, ein russischer Junge sei entführt worden, um für das jüdische Osterfest geopfert zu werden, sorgen sie sich: um sich und den anderen - weil sie glauben, nur sie selbst seien Juden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.07.2014
Mündig sollte der Leser schon sein, meint Sabine Berking angesichts der, wie sie findet, von Elke Erb und Sergej Gladkich bewundernswert ins Deutsche übertragenen Sprachgewalt dieses 1999 erschienenen, nun überarbeiteten Romans mit seinen Wortkaskaden, biblischen Zitaten und Persiflagen. Dem Geheimnis der Identität kommt Berking also auch ohne Glossar auf die vom Autor Oleg Jurjew auslegte Spur. Rasenden Bewusstseinsströmen zweier Dreizehnjähriger folgend, die während der späten Sowjet-Ära im russisch-finnischen Grenzgebiet stranden, lernt die Rezensentin, was es heißt in dieser Zeit und Gegend ein Kryptojude zu sein.
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