Bei Hitze, Hagel, Kälte oder Trockenheit, als Mittel zur Brandbekämpfung und Abwendung von Wassergefahren hielt man Hostien für allgegenwärtig und allmächtig. Man konnte sie aber auch zu Liebespulver zerstampfen oder damit verwunschene Jungfrauen erlösen. Dass geweihte Hostien unter der Haut getragen gegen jedwede Verwundung schützten, zeigte ihren Nutzen bei Rittern oder Kriegsknechten. Wildschützen glaubten an sie, denn Hostien im Kolbenschaft erhöhten die Treffsicherheit der Büchse; wenn man nicht den Leib Christi gleich mit in das Blei gab, um Freikugeln daraus zu gießen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2015
Rezensent Michael Borgolte hat mit Olaf B. Raders "Hokuspokus" ein weiteres Buch zur Geschichte der Wilsnacher Hostienverehrung entdeckt und zeigt sich nach der Lektüre in jedem Fall von der erzählerischen Stärke des Autors überzeugt. Darüber hinaus lobt der Kritiker den kulturgeschichtlichen Zugang Raders, dem er sorgfältige literarische Recherche attestiert. Zugleich muss Borgolte gestehen, dass historische Thesenbildung und die Anwendung philosophischer und wissenschaftlicher Untersuchungen nicht unbedingt zu den Qualitäten des Autors in diesem Buch zählen. Nichtsdestotrotz hat der Rezensent diese Studie mit Gewinn gelesen.
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