Norbert Elias

Gedichte und Sprüche

Gesammelte Schriften, Band 18
Cover: Gedichte und Sprüche
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783518583869
Gebunden, 146 Seiten, 27,90 EUR

Klappentext

"Es gibt", so Norbert Elias, "menschliche Erfahrungen und Einsichten, die sich klarer und überzeuger im Kunstwerk, etwa in einem Gedicht, ausdrücken und mitteilen lassen als in einer wissenschaftlichen Abhandlung." Dass er mit diesem Satz auch auf seine eigene lyrische Produktion anspielte, wussten zu diesem Zeitpunkt nur wenige. Der unerwartete Erfolg einer Lesung eigener Gedichte, die er 1979 in einer Frankfurter Buchhandlung, der 'Bockenheimer Bücherwarte', abhielt, ermutigte ihn, einzelne Gedichte in Zeitungen und Zeitschriften zu publizieren. Zu einem Buch kam es damals jedoch nicht. Erst 1987 veröffentlichte der Suhrkamp Verlag den Band Los der Menschen. Gedichte/Nachdichtungen. Dieser Band wurde für die Neuausgabe um mehr als dreißig, zuvor verstreut publizierte Gedichte und Sprüche Norbert Elias' ergänzt, darunter einige englische Texte und ein französisches Gedicht, die nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.06.2004

"Können Soziologen dichten?" Mit dieser strengen Frage beginnt Kurt Flasch seine Rezension der "Gedichte und Sprüche" von Norbert Elias, des 18. Bandes der Gesamtausgabe. Eine eindeutige Antwort jedoch bleibt der Rezensent schuldig. So preist er zwar den Wissenschaftsautor Elias, der, durchaus lyrisch, seine Texte verstanden wissen wollte "wie Menschen": "nämlich offen und vielbedeutend". Diese Offenheit lasse Raum für "die unbedachte Tiefe" des Gedichts. Auch habe der Husserl- und Heidegger-Schüler als Vortragender mit "der weichen und variablen Intonation seiner Stimme" poetische Erwartungen geweckt. So richtig überzeugt ist Flasch von der Gesamtausgabe der Gedichte gleichwohl nicht. Gerade, dass sie das Disparate, auch zeitlich Auseinanderliegende bedenkenlos nebeneinander stellt, bereitet ihm Unbehagen: "Dadurch wird dem Leser sehr Ungleichartiges und Ungleichwertiges geboten." Ein unverwechselbarer Ton, wie bei Trakl und Celan, sei bei der Gesamtschau nicht erkennbar. Auch stehe beispielsweise "den freien Rhythmen des späten und bedeutenden 'Abschied von Gott'" "eine unbeholfene Stefan-George-Nachahmung" gegenüber. Offenbar lautet die Antwort auf die Eingangsfrage also: Teils, teils. Wer's genauer wissen will, dem empfiehlt der Rezensent das Selbststudium.
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