Mit 38 Jahren erfährt Jennifer Teege durch einen Zufall, wer sie ist. In einer Bibliothek findet sie ein Buch über ihre Mutter und ihren Großvater Amon Göth. Millionen Menschen kennen Göths Geschichte. In Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste" ist der brutale KZ-Kommandant der Saufkumpan und Gegenspieler des Judenretters Oskar Schindler. Göth war verantwortlich für den Tod tausender Menschen und wurde 1946 gehängt. Jennifer Teege ist die Tochter einer Deutschen und eines Nigerianers. Sie wurde bei Adoptiveltern groß und hat danach in Israel studiert. Jetzt ist sie mit einem Familiengeheimnis konfrontiert, das sie nicht mehr ruhen lässt. Wie kann sie ihren jüdischen Freunden noch unter die Augen treten? Und was soll sie ihren eigenen Kindern erzählen? Jennifer Teege beschäftigt sich intensiv mit der Vergangenheit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.09.2013
Ob Selbsttherapie oder nicht - Alex Rühle ist fassungslos angesichts der Familiengeschichte, die die Autorin mit Hilfe der Journalistin Nikola Sellmair aufgeschrieben hat. Das Buch, in dem Jennifer Teege erzählt, wie sie hinter das Geheimnis ihrer Herkunft, der Abstammung von Amon Göth, dem SS-Führer und Schlächter von Plaszow, kam, erscheint dem Rezensenten als zweifache Spurensuche, da das Adoptivkind Jennifer Teege auch mit ihrer leiblichen Mutter abrechnet. Besonders beeindruckt hat Rühle, wie es der Autorin gelingt, die guten Erinnerungen von den schlimmen Enthüllungen zu trennen. Die hier ansatzweise ans Licht tretenden unsichtbaren Kräfte, die innerhalb von Familien wirksam sind, bringen Rühle außerdem ins Grübeln über die Frage, wie frei der Mensch wirklich ist.
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