Nikola Anne Mehlhorn

Sternwerdungssage

Erzählung
Cover: Sternwerdungssage
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783627000912
Gebunden, 80 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Ein bäuerlich plattdeutsches Niemandsland. Ein "großes Gutshaus auf der Griesenwarft, das am Ende seiner Kastanienallee mit dunklen Efeumauern über Watt und Wiesen sah" - ein trügerisches ländliches Idyll. Nach dem Selbstmord der Eltern zieht die Tochter mit Ole zusammen und ahnt nichts von dem, was nun bevorsteht. Sie ist jung, Astronomin und auf der Suche nach Gottesbeweisen. Auf dem Hof richtet sie ein "Deuskop" ein, ein Gottessichtgerät. Was zunächst ein großer Erfolg ist - Touristen wie Gläubige pilgern in Scharen herbei, das Dorf verleiht ihr die Ehrenmedaille - wendet sich gegen sie, als eines Tages "Gott" ausbleibt. Unmut regt sich...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.01.2003

Carsten Hueck beschreibt das Buch, in dem über die Dithmarscher Ich-Erzählerin, eine gottsuchende Astronomin "arges Unglück" hereinbricht, als "Sage", weil die Autorin zahllose "magische, numinose Erscheinungen" beschreibt und mit "erkennbar moralischem Anspruch" operiert. Dass dabei nur "süß-saurer Kitsch" herausgekommen, wie Hueck befindet, liegt seiner Ansicht nach an der Überfrachtung der Geschichte mit Bedeutungen und dem inflationären Gebrauch an tiefsinnigen Symbolen. Wenn das Ganze dann auch noch mit "Blödeleien" kombiniert wird, bekomme das Buch zwar, wie Hueck einräumt, etwas sehr Heutiges, doch überstrahle der "Schein" eindeutig das "Sein", wie er überdrüssig moniert. Die Autorin "kann schreiben", befindet er knapp, sie hat auch einen unterhaltsamen Stil und kennt sich in der Mythologie und in der Bibel gleichermaßen gut aus. Dennoch wirkt auf ihn die "Originalität" der Geschichte "selbstverliebt". Zudem klängen die in dem Buch auftauchenden Stern- und hebräischen Monatsnamen zwar durchaus schön, hätten aber alles in allem lediglich den Anschein von "pseudolyrischem Dekor", wie der Rezensent ungehalten moniert. Und so befindet er auch am Ende seiner Kritik knapp, dass diese "Sternwerdungssage schlichtweg Schnuppe" ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.08.2002

"Blutbad oder Abendmahl" fragt Kai Martin Wiegandt, nachdem er den Anfang von Mehlhorns Erzählung geschildert hat: eine Familie sitzt beim Abendbrot, die Tochter steht auf und geht hinaus, es fallen zwei Schüsse, Selbstmord der Eltern. Mit seiner Frage umreißt Wiegandt das Spannungsfeld dieser bemerkenswerten zweiten Erzählung Mehlhorns, die einerseits eine recht konventionelle Liebesgeschichte auf dem Dorf darstelle und andererseits zunehmend von sozial- und religionsgeschichtlich relevanten Dingen überlagert werde. Mehlhorn zielt darauf ab, meint Wiegandt, die Sedimente der christlichen Kultur aufzuspüren, die einen eher hässlichen Charakter haben: es geht um Fremden- und Frauenhass, den die Erzählerin als jüdische Außenseiterin im Dorf zu spüren bekommt. Die Erzählung beginnt und endet mit einer Katastrophe, die man nach Wiegandt als überzogen empfinden würde, gelänge es der Autorin nicht, sie als zwangsläufig erscheinen zu lassen. Das liegt nicht zuletzt am packenden lakonischen Stil der Autorin, deren Sätze für Wiegandt eine Assoziationsdichte aufweisen, wie sie sonst nur in der Lyrik zu finden sei.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.08.2002

Erstaunlich viele Parallelen zu Nikola Anne Mehlhorns Erzähldebüt "Brachmond", das vor vier Jahren in der Literaturszene viel Beachtung gefunden hatte, hat Dorothea Dieckmann in dem Folgewerk "Sternwerdungssage" entdeckt. "Ton, Thema und Muster" seien durchaus ähnlich, und doch, betont die Rezensentin, erzähle Mehldorn hier eine "andere phantastische Geschichte". Die ist nicht gerade erheiternd, berichtet Dieckmann. Die Ich-Erählerin verliert ihre Eltern durch Selbstmord, verliebt sich in einen "blonden Luzifer", der sie wegen einer anderen sitzen lässt, die sie später aus Verzweiflung überfährt, worauf der Ex-Geliebte mit einem Mob ihren Hof zerstört. "Ein Melodram also", so die Rezensentin, das sie an Lars von Triers Filme erinnert, doch würden hier "katholische Motive zu einer satirisch-fatalistischen Kosmologie säkularisiert". Solche Literatur, die das Drama der Existenz so knapp und mit "wütender Radikalität" zum Thema mache, finde sich selten, ist Dieckmann überzeugt und hofft, dass Mehlhorn ihre Erzählungen mit einem dritten Band zu einer Trilogie verdichtet.
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