August Endell gehört zu den Protagonisten des deutschen Jugendstils und zu den Wegbereitern der Moderne. Von 1901 bis 1918 lebte Endell in Berlin, wo der größte Teil seines Schaffens entstand. Hier vollzog er in seiner künstlerischen Entwicklung die Wende von der expressiven Über-Ornamentik des Wolzogen-Theaters über die in der Formgebung beruhigten Hackeschen Höfe hin zur sachlichen Werkbund-Moderne, für welche die Wohnhäuser in Berlin-Westend und die Trabrennbahn in Berlin-Mariendorf stehen. Als Formkünstler entwarf er Innenräume, Möbel, Lampen, Textilien sowie Teppiche und begründete als Kunstschulreformer die "Schule für Formkunst". Das Buch beinhaltet 25 Essays, die sich mit Endells Leben, Werk und Schriften befassen und den Künstler im zeitgeschichtlichen Kontext verankern. Darüber hinaus liefert es einen vollständigen, reich bebilderten Werkkatalog.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2012
Michael Mönninger bekommt mit dieser Monografie, in der 22 Kunst- und Architekturhistoriker anhand des Architekten August Endell die umbruchreiche Vorgeschichte einer anderen, bunteren Moderne schreiben, Gelegenheit, mit Endells raumplastischen Trips in schriller Schönheit zu baden. Mönninger nennt den Mann der islamisch-asiatisch inspirierten Tier- und Pflanzenmotive, Schöpfer der Berliner Hackeschen Höfe, einen frühen Expressionisten, der auch das Schreibhandwerk beherrschte. Eine bereits greifbare Anthologie mit Endells Schriften findet der Rezesent in diesem Band nun reichhaltig kommentiert. Desweiteren entdeckt er im Band Hinweise auf die philosophischen Grundlagen von Endells Gestalungspraxis (Robin Rehm), einen Besuch von Endells "Schule für Formkunst" (Christiane Salge) und die Reaktionen der Münchner Biedermänner auf Endells rasende Sinnlichkeiten (Hans Ottomeyer).
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