Najem Wali

Ein Ort namens Kumait

Roman
Cover: Ein Ort namens Kumait
Secession Verlag, Zürich 2026
ISBN 9783966391344
Gebunden, 224 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Imke Ahlf-Wien. Am Vorabend des iranisch-irakischen Krieges, im Spätsommer 1980, bricht der dreißigjährige Salih Sultan, Geschichtslehrer und Dichter, aus seiner Ehe mit einer ehemaligen kommunistischen Aktivistin aus und verlässt Bagdad, um einer Inhaftierung zu entgehen. Er hofft,in Kumait, gelegen im südlichen Irak, ein neues Leben beginnen zu können.Es sind die schönen Kindheitserinnerungen an seine Großmutter Matinrad, die dort immernoch lebt und ihren Lebensunterhalt als Abaya-Macherin verdient, die ihn leiten. Gleichwohl er nicht der Baath-Partei beigetreten ist, hat er ein Gelöbnis unterschrieben und die feste Absicht, sich auf dem Lande von allem Politischen fernzuhalten. Kumait jedoch ist kein idyllischesländliches Refugium mehr, sondern ein Mini-Polizeistaa t.Als er sich in die schöne, neunzehnjährige Studentin Majda verliebt, deren Bruder Ra'd zuden Kommunisten übergelaufen ist, beginnt sein gefährlicher Weg als Gegenspieler des in Kumait tyrannisch herrschenden Isam Mahud, der Majda ebenfalls begehrt.Die junge Frau fühlt sich zu beiden Männern hingezogen: Zu Salih, weil er verletzlich, sensibel,gebildet und melancholisch ist. Zu Isam, weil er eine interessante Herausforderung fürsie darstellt.Diese tragische Liebesgeschichte, verfasst zwischen 1987 und '89 - und erstmals 1997 aufArabisch veröffentlicht -, ist sowohl eine zärtliche Beschwörung des irakischen Lebens vorder amerikanischen Invasion als auch eine mit den Mitteln der Literatur erhobene Anklagegegen die Herrschaft von Diktatoren

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 02.04.2026

Für den Rezensenten Cornelius Wüllenkemper wirkt Najem Walis schon vor über dreißig Jahren geschriebener, aber erst jetzt veröffentlichter Roman wie aus der Zeit gefallen: Es geht um den Lehrer Salih Sultan, der kurz vor dem Ausbruch des Golfkrieges von Funktionären der Baath-Partei in die Provinz versetzt wird und sich dort zwischen moralisch-religiösen Problemen, Verliebtheit in seine Schülerin und dem diktatorischen Regime herumschlagen muss. Problematisch ist für Wüllenkemper dabei, wie unangemessen und suggestiv er die sexuelle Selbstfindung der jungen Schülerin beschreibt, aber auch, wie verwirrend die Handlungsstränge sind - der Kritiker hat den Eindruck, am Ende hat Walis sie nicht mehr auflösen wollen, sondern die Flucht nach vorne in den Abbruch des Textes angetreten.

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