Klappentext
Es ist Spätsommer und die Trauben sind reif, als Christina das Haus ihrer Großmutter Anni erbt. Hier, in einem kleinen Dorf bei Nürnberg, ist sie bei Anni aufgewachsen: Anni, die Mitte der sechziger Jahre aus Rumänien nach Deutschland flieht. Anni, die ganz allein ihr Kind und ihr Enkelkind aufzieht und beim Quelle-Versand Pakete ins Wirtschaftswunderland verschickt. War das das Leben, von dem sie geträumt hat? Während Christina sich langsam von Anni und dem Haus verabschiedet, erkennt sie, was sie ihrer Großmutter wirklich verdankt: die Freiheit, loszulassen und selbst den Ort zu finden, wo das gute Leben zu Hause ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.03.2026
Rezensent Andreas Platthaus freut sich, nach "Schwebende Lasten" von Annett Gröschner schon wieder einer "grandiosen Arbeiterinnenfigur" in der Gegenwartsliteratur zu begegnen. In Nadine Schneiders "Das gute Leben" geht es zentral um Anni, die nach ihrer Flucht aus Rumänien nach Deutschland 1964 drei Jahrzehnte lang beim Versandhaus Quelle als Verpackerin arbeitet. Erzählt wird von diesem "guten Leben", das für Platthaus die Hoffnung Annis aber auch das Geschäftsmodell von Quelle beschreibt, aus der Perspektive der Enkelin Christina; wie die Generation dazwischen, die Mutter Helene, erzählerisch weitgehend ausgespart wird, obwohl sie zuverlässigste Stimme der drei Frauen zu sein scheint, hält der Kritiker für einen spannenden Kniff. Vor allem aber beeindruckt ihn der Erfahrungsschatz der selbst rumäniendeutschen Autorin und ihre außergewöhnliche "psychologische Einfühlungskraft", mit der sie vor allem Annis Arbeitsmoral und ihre Versäumnisse als Mutter unter die Lupe nimmt. Wie Schneider dieses dreifache Generationenporträt über die Firma Quelle mit einer "Sozialgeschichte der Bundesrepublik" verbinde, ist für den Kritiker ein Meisterwerk.
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