Aus dem Finnischen von Stefan Moster. Tino geht auf die Vierzig zu, hat es aber zu nichts gebracht. Die Aufnahmeprüfungen für die Universität hat er vergeigt, und seine berufliche Laufbahn als Straßenbahnfahrer endete am ersten Arbeitstag mit einem psychotischen Schub. Seitdem treibt er, unterstützt von Psychopharmaka, ohne Ziel und Perspektive durchs Leben. Gelegentlich versucht er sich an Fortbildungsmaßnahmen des Arbeitsamtes, die er jedoch allesamt abbricht. Er ist zutiefst menschenscheu, meidet Begegnungen und Anforderungen jeder Art und begnügt sich damit, in seiner Einzimmerwohnung den Live-Stream eines schwedischen Aquariums zu verfolgen. Bewegung kommt in sein Leben, als er auf dem Weg zum Bierholen im Supermarkt auf eine Frau und ein kleines Mädchen trifft. Die Vierjährige bedrängt ihn mit ihrer Neugier so, daß Tino davonläuft und in einen Trödelladen flüchtet. In seiner Wehrlosigkeit läßt er sich vom pockennarbigen Besitzer im Trenchcoat den Panzer einer riesigen Schildkröte andrehen und dazu eine Tüte mit Büchern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2022
Rezensent Matthias Hannemann ist überzeugt von diesem Roman, in dem der finnische Autor Mooses Mentula den Zauber der Literatur beschwört. Im Mittelpunkt steht ein unter Angstörungen leidender Enddreißiger, der bei einer seltenen Einkaufstour einen Schildkrötenpanzer und einen Beutel voller Bücher ersteht und in den Welten von Jack London, Jean Genet und Charles Bukowski versinkt, wie der Rezensent informiert. Hannemann verfolgt berührt diese tragikomische Geschichte eines Menschen, der lesend und bald darauf auch selbst schreibend seinen Platz in der Welt sucht.
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