Monique Schwitter

Eins im Andern

Roman
Cover: Eins im Andern
Droschl Verlag, Graz 2015
ISBN 9783854209690
Gebunden, 232 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Eines Abends erfährt sie, als sie, statt zu schreiben, nach ihrer ersten Liebe googelt, dass er sich aus dem achten Stock gestürzt hat. Vor fast fünf Jahren schon. Sie ist schockiert, ebenso sehr über seinen Selbstmord wie über die Tatsache, dass sie ihn gar nicht vermisst hat. Nun hat sie ihn am Hals, stärker als zu Lebzeiten. Was ist das, die Liebe? Wieso kann sie kommen und gehen? Wohin geht sie, wenn sie geht? Und was ist eigentlich mit der aktuellen Liebe los? Der sitzt in seinem Zimmer und checkt Mails oder sieht fern. Die Protagonistin in Monique Schwitters neuem Roman beginnt nun eine Liebesrecherche: Sie handelt ihre Liebesbiografie an zwölf Männern ab, die weit mehr als die Namen gemein haben mit den Aposteln, den Gesandten des Glaubens und der Liebe. Es sind beinahe mythische Umrisse von Männern, die sie schreibend mit Liebe, Leben und Geschichte füllt. Und je länger sie schreibt, desto stärker schiebt sich die Rahmengeschichte, ihre aktuelle Liebessituation, ins Zentrum, bis sie die Handlung übernimmt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2015

Auch Männern und Liebesromanverächtern kann Rezensentin Judith von Sternburg Monique Schwitters Buch "Eins im andern" ans Herz legen. Denn diesem Roman über die Liebe steckt der Tod ebenso inne wie der tiefe Fall, verrät die Kritikerin, die hier glücklicherweise weder Romantik noch Drama entdeckt. Vielmehr liest Sternburg eine in "kühl glühender Virtuosität" erzählte Geschichte, die in zwölf kunstvoll verknüpften Episoden von den Männern der Ich-Erzählerin berichtet, Liebe, Lust, Traurigkeit und Tod in assoziationsreichen Sprüngen verbindet und zugleich mit autobiografischen Daten der Autorin spielt. Ein großartiger Roman, der auf jeder Seite überrascht, schließt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.10.2015

Wenn man Monique Schwitters Roman komplett gelesen habe, so schreibt Nina Apin, dann könne man ihm nichts Schlechtes wollen. Nur auf den ersten Blick wirke die Rahmenhandlung mit ihren zwölf biblisch inspirierten Liebesgeschichten durchschaubar und konstruiert, bei näherem Hinsehen funktioniere dieses Konzept ausgezeichnet. Und selbst wenn die Rezensentin die Anspielung an Arthur Schnitzlers "Reigen" für beinahe überdeutlich hält, schließt sie letztlich auch mit dieser literaturhistorischen Hommage ihren Frieden. Apin lobt zuvorderst die Doppelbödigkeit und Ambivalenzen des Romans; der studierten Theaterregisseurin Schwitter gelinge es, "Szenen, Stimmungen, Typen plastisch zu modellieren, Atmosphären zu erzeugen". Diese Sensibilität für die Psyche ihrer Figuren trage selbst über manche Banalität hinweg, resümiert die Kritikerin milde.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.09.2015

Hymnisch bespricht Rezensentin Wiebke Porombka Monique Schwitters neuen Roman "Eins im andern", der ihr wie eine geschriebene Rettung der Liebe erscheint. Einmal mehr bewundert die Kritikerin das Talent der Autorin und Regisseurin klug und feinfühlig zu inszenieren und dabei besonders ihrem Gespür für leise Zwischentöne zu vertrauen. Und so liest Porombka ebenso bewegt wie amüsiert, wie die an die Autorin erinnernde Ich-Erzählerin auf die zwölf Männer ihres Lebens zurückblickt und Realität und Imagination brillant zusammenzuführen weiß. Ein Roman voller Überraschungen, der berührt, tröstet und unterhält, schließt die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.09.2015

Den hymnischen Besprechungen ihrer männlichen Kollegen zu Monique Schwitters neuem Roman "Eins im Andern" kann sich Rezensentin Kristina Maidt-Zinke ganz und gar nicht anschließen. Überkonstruiert erscheint ihr der Roman, in dem die Autorin auf die zwölf Männer ihres Lebens zurückblickt, elf von ihnen die Namen der Apostel gibt und dabei leider nicht mehr zwischen autobiografischer Authentizität und Redundanz zu unterscheiden vermag, so Maidt-Zinke. Ironie und Kunstfertigkeit sucht die Kritikerin ebenfalls vergebens und mit zunehmender Erschöpfung hinterlässt der Roman bei ihr den Eindruck von mit "Bildungsgut unterfüttertem Dauerpathos". Die Lektüre mag für Männer bauchpinselnd sein, für Frauen ist sie enttäuschend, schließt die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.08.2015

Sanften Blick und harten Tritt attestiert Rezensent Phillip Theisohn Monique Schwitter verzückt nach der Lektüre ihres neuen Romans "Eins im Andern". Gebannt folgt er hier der an einem Buch arbeitenden Erzählerin, die wie beim Abendmahl zwölf Männer, vielmehr Apostel um sich versammelt und sich nach jeder endenden Beziehung fragt, wohin die Liebe geht, wenn sie geht. Und so begegnen dem Kritiker in diesem dramaturgisch komplexen, mit biblischen Motiven spielenden Text zahlreiche mysteriöse, teils malträtierte Männer; der in seiner Erschöpfung an Giacomettis "Taumelnden Mann" erinnernde Thadeusz etwa oder Andreas, dessen Oberlippe von einer Ratte zerbissen wird. Nach diesem großen Liebesroman, der die "Bestie" Liebe auch in Form von kafkaesk anmutenden Tieren auftreten lässt, möchte der Rezensent am noch weiter in den Kanon der Liebesliteratur eintauchen - etwa mit Kleists "Penthesilea" oder Büchners "Woyzeck".

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 08.08.2015

Paul Jandl trifft Monique Schwitter zum Tee. Über Schwitters neuen Roman erfahren wir weniger als über den Werdegang der Autorin. Dass die Protagonistin sich via Google auf die Suche nach ihrer Beziehungsvergangenheit macht, berichtet Jandl, und dass er den Text in seiner Art, Geneaogie und einfachste Dinge miteinander zu verbinden, berührend und "grandios" findet. Jandl erinnert die formorientierte Vertracktheit an Raymond Queneau. Das Existenzialistische und Surreale bei Schwitter gefällt ihm gut, weil die Autorin stets nah an ihren Figuren bleibt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.08.2015

Nur selten wird von der Seele und vom Liebesleben der Frau so genial erzählt wie in Monique Schwitters "Eins im Anderen", berichtet Alexander Cammann begeistert. Dabei ist die Idee quasi ein Allgemeingut Beziehungserfahrener, weiß der Rezensent: Was ist aus all den Verflossenen geworden? Und wie wäre es wohl, sie noch einmal wiederzutreffen? Schwitters Protagonistin, die sich diese Fragen stellt und ihre Beantwortung betreibt, ist Mitte Vierzig, Schriftstellerin und ähnelt der Autorin auch in anderen Belangen - was zum biografischen Abgleich einlädt, verrät Cammann, der das Buch so toll findet, dass er Schwitter sogar den letzten, kitschigen Satz - "Ich habe gehen gelernt." - bedenkenlos verzeiht.
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