Miranda July

Zehn Wahrheiten

Stories
Cover: Zehn Wahrheiten
Diogenes Verlag, Zürich 2008
ISBN 9783257066050
Gebunden, 260 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann. Zugegeben. die Menschen in Miranda Julys Geschichten sind sonderbar. Sie haben merkwürdige Obsessionen, verlieben sich möglichst hoffnungslos, wohnen gern in Luftschlössern, sind einsam und stoßen das Glück von sich, wenn es einmal anklopft, aber Sie etwa nicht?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.04.2008

Sehr eingenommen ist Merten Worthmann von diesem Erzählband der amerikanischen Künstlerin Miranda July. Die Figuren in den um Liebe und Sex kreisenden Stories scheinen ihm meist fragil, Verwundete ohne echtes Selbstwertgefühl und Selbstliebe, die nicht wirklich teilnehmen am Leben. Im Grunde handeln diese Geschichten - "Stationendramen tiefempfundenen Elends" - in Worthmanns Augen immer wieder von dem Abgrund zwischen den Menschen und den Versuchen, ihn zu überwinden. Er schätzt Julys "diskreten" Stil, der ihm trotz seiner Lakonie nie abgebrüht erscheint, sondern von Mitgefühl und "spröder Komik" getragen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.04.2008

Angela Schader singt auf Miranda July wahre Lobeshymnen und preist deren vielfältige Begabungen. Die 1979 geborene Amerikanerin sei bereits als Filmemacherin und Performancekünstlerin hervorgetreten, bevor sie 2007 auch als Autorin ihr Debüt gab, teilt die Rezensentin mit. Woher, fragt sich die hingerissene Rezensentin, hat die Autorin bloß diesen genauen Blick und die stupende Beherrschung ihrer erzählerischen Mittel, die es ihr erlauben, so pointiert und einsichtsvoll in die verschiedensten Existenzen Einblick zu verschaffen? Schader beschwört die Erzählkunst der Autorin, die als wiederkehrendes Motiv in ihren Erzählungen die vergebliche Hoffnung auf das endlich anbrechende "wahre Leben" im falschen aufgreift, als ein "Wunder". Und auch wenn sie einige Erzählungen in diesem Band gefunden hat, die sie wegen der bemühten Erzählkonstruktion als unbefriedigend empfindet, so kann sie das von ihrer grundsätzlichen Begeisterung für diesen, wie sie meint, an Inspiration und Irritation reichen Band nicht abbringen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.03.2008

Gleichzeitig deprimierend und doch heiter und also lebenswahr erscheint Miranda Julys Kurzgeschichtenband "Zehn Wahrheiten" der Rezensentin Katharina Granzin. Wie die von der Lektüre spürbar faszinierte (wenn nicht verstörte) Rezensentin berichtet, erzählen in den Geschichten zehn Sonderlinge (davon neun weibliche) von sich und ihrem Leben: schrullige, melancholische und latent autistische Figuren, die sich an schrägen Phantasien, Illusionen oder fixen Ideen festklammern. Dabei erscheinen sie nach außen hin durchaus normal, was der Rezensentin einen Schauder angesichts der Abgründigkeit menschlicher Normalität einjagt: Ist unser eigenes Innenleben am Ende genauso desolat wie das von Julys Einzelgängerinnen? Eindrücklich gelingt es July mittels ihrer Figuren, darzustellen, wie schwierig es sein kann, menschliche Nähe herzustellen, lobt Granzin. Doch was so desolat ist, erscheint dank Julys oft mit schrägem Humor gewürzter Darstellung, vergnüglich, stellt die Rezensentin erleichtert fest.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2008

Sehr charmiert ist Tobias Rüther von den Erzählungen der hoch talentierten Miranda July, der mit dem Film "Ich und du und alle, die wir kennen" der Durchbruch gelang. Sehr lobt er ihre Fähigkeit, Figuren zu erfinden, deren Leben eine einzige "Übersprungshandlung" ist, die "immer Dritte im Bunde sind" und die nicht genau wissen, wie ihnen geschieht. Ganz fraglos besitze July darüber hinaus geradezu "schlafwandlerisch" die Fähigkeit, diese Figuren wunderbar aphoristisch zu beschreiben. Und zwar immer wieder und immerzu, ein paar der ihn beglückenden Formulierungen zitiert Rüther auch gleich. Etwa die: "Hunger. Die Art des Körpers, Hoffnung auszudrücken." So weit, so wunderbar. Irgendwann aber, muss der Rezensent zugeben, ist es auch gut. Jedenfalls im Rahmen dieses Kurzgeschichtenbands, der zwar stets den "wunden Punkt" trifft, nur sei es leider doch immer der gleiche. Das Buch hat den Rezensenten lange bezaubert, zuletzt aber ein wenig "zermürbt".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.02.2008

Der Name der Autorin sei in den USA inzwischen das Mantra der Hipster, ihre Sprache klug, brutal und witzig, die Geschichten selbst seien eine Art postmoderner Haiku, überschlägt sich Rezensent Georg Diez fast vor Begeisterung über diesen Erzählband, dessen Autorin das Genre aus seiner Sicht für unsere Zeit neu definiert hat. Die Kurzgeschichten schlagen die Brücke zwischen dem "New Yorker" und der "Brigitte", schreibt er auch, weshalb speziell die Leser der "Zeit" die idealen Leser für diese Stories wären. Denn Miranda July leuchte darin die Keller der "Wohlfühlboheme" aus, "Dunkelkammern", die Diez vor emotionaler Leere geradezu gähnen sieht und dessen Leserglück angesichts des "Extremismus der Gefühle", den July in ihren Geschichten walten lässt, manchmal zu explodieren scheint. Es handele sich, wie der Rezensent in einem Gespräch mit der 34jährigen Autorin erfahren hat, um "vage autobiografische" Stoffe, die July dann jeweils am Personal ihrer Kurzgeschichten durchspielt: also an "mittelalten, übergewichtigen, verlassenen, scheuen und sehnsüchtigen Frauen" oder "einsamen, verstörten, älteren Männern" - kurz: deplatzierten Außenseitern.