Aus dem Ungarischen von Andreas Oplatka. Der zweite Teil der großen Geschichte von Siebenbürgen vor dem Ersten Weltkrieg nach Die Schrift in Flammen , die 2012 erstmals auf Deutsch erschienen ist: Der Erzähler Bánffy, 1921/22 Außenminister von Ungarn, später Staatsangehöriger von Rumänien, schildert die Jahrhundertwende als Zeit sich verschärfender nationaler und sozialer Gegensätze. Der liberale Idealist Bálint Abády verstrickt sich immer tiefer in eine unglückliche Liebesgeschichte; sein Neffe und Freund, der begnadete Musiker László Gyeröffy, geht willentlich und unabwendbar den Weg der Selbstzerstörung. Im Glanz der letzten Jahre der Monarchie taumelt die Welt von gestern ihrem Ende entgegen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.09.2013
Miklós Bánffy wollte mit seiner Siebenbürger Trilogie über die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg ein Mahnmal für künftige Generationen setzen, berichtet Oliver Pfohlmann. Die Bücher, die zwischen 1935 und 1940 in Ungarn erschienen, seien erst vor kurzem für ein größeres Publikum entdeckt worden und auf dem besten Wege, Klassiker zu werden. "Verschwundene Schätze" ist der zweite Teil der Reihe, und selten hat wohl ein Autor einen Roman so sperrig beginnen lassen, warnt der Rezensent: mit einer Parlamentsdebatte, die die verworrene politische Landschaft in Ungarn und Siebenbürgen vor 1914 darstellt. Doch hat man sich durch diese erst einmal durchgearbeitet und ist endlich mit der Armee von Figuren einigermaßen vertraut, dann gewinnt das Buch zusehends an Spannung und Charme, verspricht Pfohlmann. Und der Weg, den Bánffys Protagonist aus der politischen Gleichgültigkeit mitten ins Geschehen seiner Zeit beschreitet, kommt einem plötzlich sehr aktuell vor, findet der Rezensent. Die Großmächte rasseln mit den Säbeln, während die Leute die Abendnachrichten lesen, als ginge sie das alles kaum etwas an, Finanzhäuser verführen mit billigen Krediten Regierungen und ruinieren Volkswirtschaften und das Parlament steht still, weil die Parteien sich gegenseitig blockieren oder kleine Prestigekämpfe austragen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2013
Im zweiten Teil von Miklos Banffys Siebenbürger Trilogie, dem Übergang zum Finale, erkennt Wolfgang Schneider, dass der Autor mit Tolstoi doch nicht Schritt halten kann. Mitunter stößt er auf blanken Kitsch, anders als im ersten Band, wie er beteuert. Beeindruckt hingegen zeigt sich Schneider von Banffys Naturbeschreibungen, seinen genauen Menschenschilderungen und der Idee, in seiner Trilogie Politisches und Privates zu vereinen. Die Märchenwelt des untergehenden Adels um die Hauptfigur Bálint Abády mit ihren Bällen und Duellen findet er minutiös beschrieben, ein bisschen wie bei Proust. Die im ersten Band begonnene Liebesgeschichte setzt der Autor laut Schneider melodramatisch fort; in seiner Detailverliebtheit im Politischen wird das Buch für ihn mitunter strapaziös.
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