Der verkehrte Himmel

Avant Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783964451088
Kartoniert, 344 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Was für eine Betonhitze! Inmitten des flirrenden Berliner Sommers machendie Geschwister Tâm und Dennis einen beunruhigenden Fund. In einem Gebüsch am Rande ihrer verschlafenen Wohnsiedlung in Berlin-Lichtenberg entdecken sie einen einzelnen abgetrennten Finger. Im Laufe ihrer Nachforschungen kommt es zu einer verstörenden Begegnung mit einem geheimnisvollen Mädchen: Das "Mädchen vom Parkplatz" ist die zwei Jahre ältere Hoa Binh und sie ist auf der Flucht. Aber auf der Flucht vor wem? Ohne zu ahnen, auf was sie sich eingelassen hat, beschließt Tâm, ihr zu helfen. Die neue Graphic Novel von Max und Moritz-Preisträger Mikael Ross knüpft mit ihrer Schwarzweiß-Optik an beste Film Noir-Traditionen an und nutzt die Ästhetik japanischer Mangas. Ein hitziger Thriller, der zwischen Berliner Plattenbauten und Schrebergärten beginnt, aber weit darüber hinaus in die Welt weist.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 09.01.2025
Kritiker Christian Staas verneigt sich vor diesem Comic von Mikael Ross, der eine Brücke schlägt zwischen Vietnam und Berlin-Lichtenberg: Tâm und Dennis sind "Kinder ehemaliger DDR-Vertragsarbeiter", Hoa Binh versucht sich aus Vietnam nach Europa durchzuschlagen und gerät in die Hände eines Menschenfängers. Alle drei eint die Suche nach einem besseren Leben. Das hat Ross in Schwarz-Weiß mit Anlehnung an Manga überzeugend und mitreißend gestaltet, lobt Staas. Vietnamesische Naturlyrik trifft auf Death Metal, die Handlung ist eine Verkettung von "sozialen Härten und der eskalierenden Gewalt", so der Rezensent, dem besonders die empathische Art imponiert, mit der Ross seine Figuren und ihr Leben beschreibt - so wird der Comic für den Rezensenten zugleich deprimierend und äußerst menschenfreundlich.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 13.08.2024
Mikael Ross ist für Rezensent Andreas Hartmann sowas wie ein "Wunderkind der deutschen Comicszene", das gilt auch für seinen neuen Comic, der einige Erzählstränge miteinander verbinde: Zunächst wäre da die beginnende Liebesgeschichte zwischen Tam und Alex, sie finden in ihrem Lichtenberger Kiez einen abgetrennten Finger, der auf Menschenhandel hindeutet, der Alltag einer vietdeutschen Familie wird auch noch beleuchtet. Ross nutzt dafür unter anderem Stilmittel des Mangas, viel Humor und baut auf seine Erfahrung als Aushilfslehrer an einer Lichtenberger Schule, wie Hartmann verrät. Ihm gefällt, wie sich hier ernste und spannende Themen treffen und wie genau Ross hinschaut, um einen sehr überzeugenden Comic zu gestalten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2024
Hin und weg ist Rezensent Andreas Platthaus von Mikael Ross' neuer Graphic Novel. Ross ist hier in mehrerer Hinsicht ein Meisterstück gelungen, findet Platthaus. Zunächst erzählerisch: Die Hauptfiguren Tâm, Dennis und Hoa Binh haben vietnamesische Wurzeln und wohnen in Berlin-Lichtenberg - drei junge Menschen, beschreibt Platthaus, die psychologisch differenziert beschrieben und gekonnt in das soziale Umfeld ihrer Wohngegend eingebettet werden, und die sich dann außerdem mit einem ebenfalls komplex gezeichneten Zuhälter herumschlagen müssen. Die grafische Gestaltung gefällt dem Rezensenten sogar noch besser. Ross orientiert sich möglicherweise, vermutet Platthaus, an dem französischen Graphic-Novel-Meister Baru, wie dessen meisterliches "Autoroute du Soleil" greife auch Ross' Werk Manga-Zeichentechniken auf und verbinde sie mit einer Comicerzählung europäischen Zuschnitts. Bis hin zur klugen Gestaltung der zweisprachigen Sprechblasen ein Werk, das alle Register der Kunstform Graphic Novel zieht, lobt der Rezensent.