Mikael Niemi

Populärmusik aus Vittula

Roman
Cover: Populärmusik aus Vittula
btb bei Goldmann, München 2002
ISBN 9783442750719
Gebunden, 304 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt. Matti und sein schweigsamer Freund Niila wachsen auf in einem kleinen Dorf im äußersten Norden Schwedens, fernab der wirklichen Welt. Es sind die wilden sechziger Jahre, doch das Leben im Tornedal wird weniger durch Rebellion als durch die unwirtliche Landschaft, den kauzigen Eigensinn seiner Bewohner und die religiöse Bewegung des Laestadianismus geprägt, die durch extreme Strenge und Lustfeindlichkeit besticht. Kein Wunder, dass die beiden Kinder schon früh nichts anderes im Kopf haben, als sich wegzuträumen von diesem Ort, der zwar viele Geschichten zu erzählen hat, aber auch unvermutete Gefahren in sich birgt. Als der Rock'n'Roll Einzug hält im kleinen Tal, ist ihre Zeit gekommen...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.01.2003

Der Roman des finnischen Autors Mikael Niemi gebe der Minderheit in der Gegend des Tronedal im nördlichen Finnland eine Stimme, urteilt die Rezensentin Christiane Hollinger. In Niemis Roman stehe die unterhaltsame und klischeehafte, aber auch nachdenkliche Kindheitserinnerung des Erzählers Matti im Mittelpunkt. Die Rezensentin referiert über Matti, der in dieser winterlichen Einöde aufwächst und sich in den 60er Jahren mit Hilfe des Rock´n´Roll Lebensfreude und Aufbruchstimmung verschaffe. Hollinger macht dabei einen anekdotenhaften und episodisch Erzählstil aus, der nur selten einer "wirklichkeitsgetreuen Darstellung" weiche. Es gehe nicht um die charakterliche Entwicklung Mattis, sondern um die Schilderung des kargen Lebens in wirtschaftlicher Abgeschiedenheit der Tornedalfinnen, fasst Hollinger zusammen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.11.2002

Den schwedischen Erfolgsroman von Mikael Niemi hat Kristina Maidt-Zinke etwas erstaunt gelesen, ganz kann sie der Begeisterung ihrer schwedischen Kritikerkollegen nicht folgen. Beschrieben werden eine Kindheit und Pubertät im hohen Norden Schwedens in den sechziger Jahren, die geprägt seien vom Eindringen der Popmusik in eine Welt des strengen Glaubens, wie die Rezensentin berichtet. Dabei sei das "kauzig-abseitige Flair" der Tornedal-Landschaft die entscheidende Komponente, die in der "farbigen, kraftstrotzenden Sprache" des Autors laut Maidt-Zinke wiedergegeben wird. Anlässe wie Hochzeiten und Todesfälle würden so zu den "glanzvollsten Passagen" des Romans. Die erwachsene Hauptfigur werde später, wie die Rezensentin meint, immer Sehnsucht nach "jener weltfremden Siedlung im Wodkagürtel" empfinden, die der Autor so beschreibe, "dass viele Schweden darin den mythischen Ort ihrer eigenen Kindheit wiedererkennen".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.10.2002

Gut unterhalten fühlt sich Ansgar Warner von diesem Roman, der in seinem Heimatland überraschend ein riesiger Bestseller geworden ist. Der Autor Mikael Niemi schreibt über eine Provinzjugend im hintersten Winkel von Schweden "milieugetreu mit biografischem Hintergrund", denn er ist tatsächlich aus dieser Gegend, in der finnisch gesprochen und gelebt wird. Vor diesem Erfahrungshintergrund hat der Autor nach Warners Meinung allerhand Lustiges zu erzählen, zum Beispiel von bizarren Initiationsprozessen, die aus saunieren und saufen bestehen. Erzählt wird diese "sentimental journey" aus der Sicht eines Erzählers, der den Absprung aus dieser Region geschafft hat, in der beispielsweise schon Lesen als weibisch gilt, und nun einen nostalgischen Rückblick wagt. Allein für die Begeisterung, die er mit diesem Buch im Rest von Schweden ausgelöst hat, gebührt ihm der Literaturnobelpreis, findet Warner - und für die "Integrationsleistung" für diese Gegend, die bisher in den Augen der meisten Schweden als komplett rückständig galt.
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