Mikael Engström

Brando

(Ab 12 Jahre)
Cover: Brando
Carl Hanser Verlag, München 2003
ISBN 9783446203037
Gebunden, 220 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer. Hätte Brando den verflixten Elfer nicht verwandelt, hätte es nie Krieg mit der Perra-Bande gegeben - aber auch nicht dessen zum Weinen komische Geschichte. Was für ein Schlamassel - Mädchen zwischen den Fronten, Pilze, die sich nicht mit Alkohol vertragen, und eine vagabundierende Tafel Abführschokolade. Diesen Krieg wird erst ein Wunder beenden. Ein rührendes und komisches zugleich.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.07.2003

Nanu, wo sind die Frauen hin? Doch keine Sorge, meint Gerda Wurzenberger, fehlende Elternteile in Kinderbüchern sorgen dafür, dass der "Alltag schwierig und somit auch spannend wird". Von Engströms "beeindruckendem Romandebüt" jedenfalls ist sie restlos überzeugt. Schauplatz ist ein Arbeiterviertel in einem Stockholmer Vorort in Siebzigerjahren von der miefigsten Sorte - das Universum einer Männerwelt aus Vätern, Freunden und Feinden, und mittendrin Brando, der eigentlich Marlon heißt. Er ist zwölf, schmökert in alten Wissenschaftsjournalen, hängt mit seinen Freunden rum oder spielt Fußball. Und da, bei einem Fußballspiel zischen seiner Clique und älteren Jungs, passiert etwas, und plötzlich herrscht, wie könnte es anderes sein bei so viel Männern, Krieg. Und dennoch, trotz Rauferei und Sauferei, hat Wurzenberger "eine heitere Geschichte voller Zuversicht" gelesen. Feindschaft ist ein Abenteuer, aber zugleich ist Freundschaft eine Selbstverständlichkeit, und Wunder passieren auch in harten Männerwelten - da können sogar "wahre Heldentaten zur Nebensache werden".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.07.2003

Der Schwede Mikail Engström hat mit seinem Erstlingswerk "ein richtig tolles Jungsbuch" geschrieben, findet Angelika Ohland. Sie schwärmt hingerissen von "Action und Kampfspannung; kuriosen, poetischen Betrachtungen über das Weltall, das sich angeblich in einem Krapfen befindet" und "witzigen Bemerkungen über nach Erdbeerkaugummi duftende Mädchen". Obwohl es um Jungs, Fußball und Bandenkrieg geht, ist die Darstellung alles andere als klischeehaft, meint Ohland: "So am Boden bleiben bei gleichzeitigem Schwebezustand, das können nur wenige".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003

Mit diesem Roman, zwischen zwei Buchdeckel gepresst, verhält es sich wie mit dem Kiosk aus der Geschichte, schwärmt Siggi Seuss, der auch ein ganzes Universum enthalte: das des zwölfjährigen Helden Brando, den seine Eltern Marlon tauften. Der Kiosk steht an einer Bushaltestelle in einem Viertel, das man nach Seuss als "sozialen Brennpunkt" bezeichnen könnte. Hier lebt Brando, von hier aus führen ihn die verschiedenen Wege durchs Viertel, zum Bolzplatz, zum Schrottplatz, zur Grube unter dem Kiosk, zu den Mietskasernen, zum Kino, wo sein Vater als Filmvorführer arbeitet, zum Bahnhofsautomaten mit den Pornoheften, und sie führen wieder zurück auf die Fensterbank, wo Brando abends sitzt und mit seiner toten Mutter redet. Selten hat ein Autor den Mikrokosmos eines Jugendlichen so "unverkrampft mitten aus dem wahren Leben erschaffen", freut sich Seuss. Eine "Spur von Blut, Schweiß und Tränen" ziehe sich durch Brandos Leben, der manchmal an den Widrigkeiten des Lebens am liebsten verzweifeln möchte, berichtet Seuss - was aber nicht geschehe. "Brando" liefert eine Philosophie des täglichen Überlebens, meint der begeisterte Rezensent, der Roman sei zutiefst weise, komisch und traurig zugleich.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.03.2003

Petra Hartlieb bespricht zwei Romane über die Pubertät in der Kleinstadt. Der Jugendroman "Brando" von Mikael Engström spielt in einer schwedischen Kleinstadt, wobei nicht beschauliche Idylle, sondern öde Hochhaussiedlung gemeint ist, so die Rezensentin. Sie findet, dass die Geschichte vom Jungen Brando, der in einen Krieg mit der gegnerischen Fußballmannschaft verwickelt wird, direkt aus einer "Jugendgerichtsakte" stammen könnte, weil es darin ums "nackte Überleben" gehe. Dennoch, so die Rezensentin bewundernd, hat der schwedische Autor daraus eine "wunderbare, traurig-komische" Darstellung gemacht, und das sogar ohne "erhobenen Zeigefinger". Besonders die "Botschaft" des Romans, dass man das Leben, auch wenn es "manchmal scheiße" ist, meistern kann, hat Hartlieb überzeugt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.02.2003

Konrad Heidkamp hält Mikael Engströms ersten Kinder-Jugend-Roman über eine Clique Jugendlicher für einen Volltreffer. "Jeder kommt mit seiner Geschichte zu Wort, jede ist tragikomisch, und keiner macht sich lächerlich." Manchmal rieche es zwar ein wenig nach skandinavischem Realismus - die Mutter des einen Jungen ist tot, der Vater eines anderen trinkt -, doch findet Heidkamp die Geschichte so witzig und spannend erzählt, dass ihn das nicht stört. Für ganz hervorragend hält er nämlich den Übergang von Kindheit zur Jugend eingefangen, dieses aggressive Spiel, "wo Unsicherheit in Schwermut oder Wut umkippt, Mädchen sich in Zauberwesen oder Pornoqueens verwandeln und die Angst vorm Erwachsenwerden sich im Kino versteckt". Am meisten überrascht ihn jedoch, dass dieser Roman, der - soviel verrät er - so traurig endet, so hoffnungsvoll stimmt.
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