Michi Strausfeld
Die Kaiserin von Galapagos
Deutsche Abenteuer in Lateinamerika

Berenberg Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783911327053
Gebunden, 180 Seiten, 24,00 EUR
ISBN 9783911327053
Gebunden, 180 Seiten, 24,00 EUR
Klappentext
Wenn man sie rein ließ, selten genug, durften auch Teutonen - Landsknechte, Abenteurer, Jesuiten - früh jenes geheimnisvolle Reich in Übersee betreten, das seit 1492 den Spaniern "gehörte". Erst nachdem die Staaten des Kontinents unabhängig geworden waren, kamen auch die Deutschen. Michi Strausfeld, die Lateinamerikas Kultur wie kaum eine andere in Deutschland bekannt gemacht hat, berichtet, wie sie kamen, warum und wer das war: Gauner, Exzentriker, arm und reich, Künstler, Kaufleute, die Reichtümer witterten, eine Utopistin mit Kaiserkrone, Forscher, die sich um das kümmerten, was ihnen Alexander von Humboldt übrig gelassen hatte. In Massen kamen sie erst spät: Auswanderer, die daheim verhungert, Juden, die umgebracht worden wären, auch ihre Nazi-Quälgeister, die hier nach 1945 ein Versteck fanden. Und heute? Ein lateinamerikanisches Tableau, von 1492 bis zur Gegenwart, in kräftig deutschen Farben.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.10.2025
Lesenswert und hoffnungsvoll ist dieser Text, lobt Rezensent Rainer Moritz. Die Autorin entdeckte als junge Frau Lateinamerika und setzte sich jahrzehntelang dafür ein, die Kultur des Kontinents im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen. Sie macht einen Streifzug durch fünf Jahrhunderte, erzählt von Forschern, Verfolgten und Glücksrittern, die Europa den Rücken kehrten, darunter Alexander von Humboldt, Maria Sibylla Merian oder der Kinderwagenfabrikant Carlos Gesell. Sie berichtet sowohl von politischer Flucht und Zuflucht vor Faschismus, aber auch davon, wie man dem Nationalsozialismus dort schon früh huldigte. Skurrile Abenteuer kommen hier ebenfalls vor, wie auf den Galapagosinseln, wo der deutsche Arzt Friedrich Ritter und seine Geliebte Dore Strauch in den Dreißiger Jahren ein "Paradies" errichten wollten, das unter anderem die Hochstaplerin Eloise Wagner de Bousquet anzog, die sich selbst zur Kaiserin von Galapagos ausrief. Strausfeld zeigt, wie Lateinamerika einst Europa faszinierte, und hofft, dass die "gegenwärtig Ignoranz" bald ein Ende haben wird, schließt der überzeugte Kritiker.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.09.2025
Rezensentin Katharina Teutsch bekommt mit Michi Strausfelds Buch ein Überblickswerk über deutsche Abenteurer in Lateinamerika. Von Humboldt über Merian bis zum Zahnarzt Ritter, der auf Galapagos als früher Aussteiger ab 1929 sein Unwesen trieb, beschreibt die Autorin laut Teutsch kenntnisreich, aber eben auch etwas "oberflächlich" das Verhältnis deutscher Welterneuerer, Forscher und Glücksritter zu Südamerika. Die Porträts enthalten viel Vergessenes und Spektakuläres, versichert Teutsch.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 22.05.2025
Gibt es eine bessere deutsche Lateinamerikakennerin als Michi Strausfeld? Ihr verdanken die Deutschen die Kenntnis der großen lateinamerikanischen Literaten, und diese verdanken ihr sicherlich auch einiges. Denn der Erfolg auf dem deutschen Buchmarkt war immer wichtig für den internationalen Ruhm von Autoren. Aber heute, so klagt Rezensentin Katharina Döbler mit der Autorin, ist das deutsche Interesse an Lateinamerika und seinen Autoren erloschen. Grund genug für Strausfeld nach deutschen Spuren auf dem Kontinent zu suchen. Und Dobler trägt mit merklichem Interesse weiter, was die Autorin zutage fördert: Deutsche Siedler gab es. Flüchtlinge vor den Nazis und Flüchtlinge, die Nazis waren. Forscher und Spinner. Strausfeld hätte genug Material für einen Wälzer so die Rezensentin. Aber so etwas machen Verlage ja nicht mehr. Darum hier gedrängt und anregend: ein deutsches Plädoyer für Lateinamerika - und die bunte Geschichte seiner deutschen Bewohner, Bösewichte, Liebhaber und Erforscher.
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