Klappentext
Herbert von Karajan setzte als einer der bekanntesten und bedeutendsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts Maßstäbe in der klassischen Musik. Zugleich standen seine Person und sein Privatleben schon zu Lebzeiten häufig im öffentlichen Interesse. Immer wieder kritisch hinterfragt wurde Karajans Verhalten während der Zeit des Nationalsozialismus, ohne dass bislang eine umfassende historische Aufarbeitung und Einordnung stattgefunden hätte. Michael Wolffsohn zeichnet auf Grundlage zahlreicher, teils erstmals ausgewerteter Quellen und vielfältiger Perspektiven ein umfassendes Bild von Karajans Leben und Handeln während der NS-Zeit und in den Jahren danach.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.02.2026
"Was für eine funkelnde Konstellation", jubelt Rezensentin Christine Lemke-Matwey: Der Antisemitismus-Forscher Michael Wolffsohn beschäftigt sich mit dem Künstlergenie Herbert von Karajan - da erwartet die Kritikerin viel "Zündstoff" und sie wird nicht enttäuscht. Denn Wolffsohn rollt eine brisante Frage nochmal neu auf: War Karajan, der 1935 in die NSDAP eintrat, und dessen Karriere während der NS-Zeit erheblichen Aufschwung bekam, ein Nazi? Im strengeren Sinne Neues finde Wolffsohn nicht heraus, das macht das Buch aber gerade aus, versichert die Kritikerin, denn hier wird einiges "gegen den Strich gebürstet". In sehr aufwendiger wissenschaftlicher Kleinstarbeit widmet sich Wolffsohn der Person Karajans und versucht ins "Innerste" des Dirigenten vorzudringen, übrigens auf eine Initiative der beiden Karajan-Töchter hin, die Genaues darüber wissen wollten, wie sehr der Vater in die NS-Maschinerie verstrickt war. Karajan war ein "Formalnazi", lautet Wolffsohns Ergebnis, das heißt, politisch hatte er mit den Nazis nichts am Hut, brauchte den Eintrag ins Parteibuch aber für seine Karriere, vor allem wegen seiner österreichischen Wurzeln. Die Kritikerin rechnet dem Historiker hoch an, dass er hier nicht ins Moralisieren verfällt, sondern interessante Aspekte rund um die Person Karajans beleuchtet, zum Beispiel jüdische Weggefährten des Dirigenten. Manchmal verliert sich Wolffsohn ein wenig in Nebensächlichem, findet die Kritikerin, auch besitzt der Historiker keine große musikalische Expertise. Das tut ihrer Begeisterung aber keinen Abbruch: Originell und "süffig" geschrieben findet sie sein Buch, das eine bekannte Frage auf neue Weise beleuchtet.
Buch in der Debatte
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