Die Renaissance, die Wiedergeburt der klassischen antiken Kultur, hat großartige eigene Ausdrucksformen gefunden, sich aber immer wieder auch ihrer Wurzeln versichert. So entstand mit den Historiengemälden mythologischen Inhalts eine eigene Gattung. Michael Thimann arbeitet die Gattungstypik des mythologischen Gemäldes heraus und unterzieht dessen ambivalente Stellung zwischen Mimesis und Phantastik einer genaueren, quellenorientierten Untersuchung. Beispielhaft geht der Autor auf die Fresken Parmigianinos in Fontanellato ein, die Ovids Verwandlungssagen eben nicht nur illustrieren, sondern auch interpretieren im Geist der Moralphilosophie des Humanismus. Damit wird nicht weniger als ein neues Paradigma zum Verständnis der Renaissance vorgestellt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.12.2002
Michael Thimanns Studie "Lügenhafte Bilder" hat Rezensent Horst Bredekamp vollauf überzeugt. Thimanns Analyse einer Serie von Darstellungen des Aktaeon-Mythos, die der Maler Parmigianino um 1523/24 freskierte, preist Bredekamp als "herausragende philologische und philosophische Leistung". Anhand der Lünettenfresken Sebastiano del Pimbos und Dosso Dossis gelingt es Thiamnn laut Bredekamp zu zeigen, "dass die Malerei die Möglichkeiten sprachlicher Reflexion überforderte." Die mythologischen Szenen, so Bredekamp, überstiegen in ihrem experimentellen Gestus die Konventionen der humanistischen Rhetorik. Für Bredekamp liefert Thimanns Arbeit ein Beispiel dafür, "dass die kunsthistorische Ikonologie nach Jahrzehnten unterschiedlicher Angriffe eine Renaissance erfährt."
Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt… Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Anne Carson: Der bittersüße Eros Aus dem nordamerikanischen Englisch von Christina Dongowski. Es war eine Dichterin, Sappho, die dem Eros das paradoxe Attribut "bittersüß" gab. Dies geschah in der Zeit,…