Michael Roes

Die fünf Farben Schwarz

Roman
Cover: Die fünf Farben Schwarz
Matthes und Seitz, Berlin 2009
ISBN 9783882216486
Gebunden, 576 Seiten, 24,80 EUR

Klappentext

Eine Entführung, eine scheiternde Ehe und schiere Verzweiflung am Älterwerden stehen im Mittelpunkt dieses geheimnisvollen und spannenden Romans. Während der Leipziger Rhetorikprofessor Holz an einem Essay über den Tod zu schreiben beginnt, weckt die Freundschaft zu einem chinesischen Studenten sein Interesse an dessen Kultur. Er nimmt die Einladung zu einer Gastprofessur in Nanking an. Aber nicht nur Neugier treibt ihn an, die Reise nach China ist auch Suche und Flucht. Flucht vor dem, was wirklich geschah. Zwischen Tod und Begehren, Verdacht und Selbstbezichtigung schwankend, lösen sich alle Gewissheiten auf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.04.2010

Alard von Kittlitz hat Michael Roes' Roman über einen Literaturprofessor, der vor dem Zerbrechen seiner Ehe und der Entführung seines Sohnes in eine Gastprofessur nach China flieht, mit zunehmender "Apathie", am Ende gar etwas verärgert gelesen. Der Autor führt die Dekonstruktion eines bildungsschweren Bewusstseins vor, indem er den Professor Viktor Holz im Chaos der chinesischen Welt versinken lässt, bis ihm am Ende alle Lehren und Erkenntnisse "gleich gültig" sind, erklärt der Rezensent. Davon zu lesen ist ihm allerdings nur sehr kurz vergnüglich gewesen, zunehmend stellt sich bei ihm Überdruss ob der vielen eingeschobenen Essays ein, von denen in seinen Augen nicht genau zu sagen ist, ob es sich dabei um Reflexionen von Holz oder von Roes handelt. Seine Geduld wird nicht nur von der "hypochondrischen Larmoyanz" des Helden, sondern zudem von dessen bemüht poetischem Ton arg strapaziert, wie er zu erkennen gibt, und so findet er diesen Roman insgesamt gänzlich "unterbefriedigend".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.02.2010

Ein Rhetorikprofessor geht in Michael Roes' jüngstem Roman an Grenzen. Nach Nanking, geografisch gesagt, in den Untergrund dieser Stadt. Sein Leben, seine Sprache und auch das Buch selbst gehen dadurch, wie der Rezensent Andreas Langenbacher feststellt, in Stücke. Es ist nicht so, dass die Textbruchstücke, aus denen das Werk so besteht, Langenbacher per se nicht gefielen. Ja, er findet die Tatsache, dass sich die Psyche des Helden und die Integrität der Geschichte in der Konfrontation mit dem möglichst Fremden auflösen, eigentlich durchaus konsequent. Aber wohl etwas zu konsequent. Die Suche nach dem Fremden werde hier zum "Extremsport" und es bleibe zuletzt, in der Fremdheit als Selbstzweck, doch etwas wie ein "Exotismus der Agonie".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.11.2009

Eine recht anstrengende Lektüre verheißt uns Rezensentin Gisela von Wysocki – und das auf 576 Seiten! Aber am Ende ihrer Kritik möchte man doch wissen, um was für ein Buch es sich handelt. Immerhin stellt sie diese Chinareise eines hochgebildet-skurrilen Protagonisten in eine Reihe mit Werken von Michel Leiris, Hubert Fichte und Bruce Chatwin. Als allen gemeinsam sieht sie eine Kunst des ethnografischen Schreibens. Der Held, so scheint es, wird in China in ziemlich unmögliche Situationen versetzt und lernt am Ende - aus Schwäche - die fünf Schattierungen des Schwarz auf einer chinesischen Tuschezeichnung zu unterscheiden. Dann wird er in einen splatterfilmähnlichen Foltertod geschickt. Der Tod ist das eigentliche Thema des Romans, so die Rezensentin. Und der Roman ist in weiten Teilen ein Essay.
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