Michael Heinemann (Hg.)

Das Bach-Lexikon

Laaber Verlag, Laaber 2000
ISBN 9783890074566
gebunden, 623 Seiten, 85,90 EUR

Klappentext

Vorbestellpreis bis 30.06.2000: 168,00 DM. Danach: 198,00 DM.
Leben und Werk, Umfeld und Nachwelt Johann Sebastian Bachs in Stichworten: Von Abel, Bachs Köthener Gambist, bis Zyklus als Problem der Aufführungspraxis bietet das Lexikon eine Summe des Wissens über einen der bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte. Doch liefern die mehr als 50 einschlägig ausgewisenen Autorinnen und Autoren dieses Bandes nicht nur nüchterne Daten und Fakten; vielmehr rücken auch Probleme der Forschung in den Blick, und vertraute Sichtweisen werden in Frage gestellt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.03.2000

In Sachen Bach wird noch immer viel geforscht und ebenso viel verworfen, und es ist daher lobenswert, meint Wolfram Goertz, wenn im Turnus besonderer Anlässe wie Jahresfeiern auch die Bachforschung revidiert und frisch aufgearbeitet werde. Goertz bespricht drei neue Handbücher über den Komponisten.
1) Konrad Küster (Hrsg.): "Bach-Handbuch"
Das Handbuch sei vom Herausgeber "klug" in Werkgruppen unterteilt, lobt Goertz, denen "Grundsätzliches vorangestellt" sei. Besondere Erwähnung finden bei ihm Ulrich Siegles Aufsatz über "Bachs politisches Profil", der nahezu aberwitzige und kühne Behauptungen aufstelle, ohne an Glaubwürdigkeit oder Überzeugungskraft einzubüßen, wohingegen Martin Petzoldts theologische Suche bei Bach "voller Gemeinplätze" ausgefallen sei. In höchsten Tönen hingegen lobt Goertz die Abhandlung des Herausgebers über "Bachs Vokalmusik", mit der ihm "ein großer Wurf" gelungen sei. Gegenstand dieser Betrachtung ist Bachs inneres Verhältnis von Pflichtgefühl und Neigung.
2) Martin Elste: "Meilensteine der Bach-Interpretation 1750 bis 2000"
Unübersehbar ist die Flut an Interpretationen und Einspielungen von Bach-Stücken, klein aber fein sind die Änderungen, welche die Musizierpraxis in den vergangenen 250 Jahren seit Bachs Tod erfuhr. Ein lobenswertes Unterfangen also und "in vielen Jahren der Hörarbeit gewachsen", so Goertz über das Buch des passionierten Musiksammlers und - hörers Martin Elste. Ob vor dem Hintergrund der Romantik, der Sachlichkeit oder des Historizismus, der Autor stelle die Interpretationsgeschichte weitgehend "ohne Versäumnisse" dar. Daß dem Autor dabei allerdings die Einspielung Goulds der Goldberg-Variatonen von 1959 durch die Lappen gegangen sind, nimmt er ihm ein bißchen übel.
3) Michael Heinemann (Hrsg.): "Bach-Lexikon"
Kein gutes Haar läßt Goertz an diesem "Bach-Lexikon", für das immerhin 58 Autoren hinzugezogen wurden. Es strotze "von handwerklichen Mängeln und hanebüchenen Fehlurteilen", so der Rezensent, der verschiedene Beispiele als Beleg für seine Behauptung anzuführen weiß. Als positive Ausnahme läßt er einzig den Aufsatz des Herausgebers gelten, der sich "scharfsinnig" und keineswegs "liebedienerisch" zu Bachs Leipziger "Präfektenstreit" äußere. Für die Artikel seiner Kollegen sei Heinemann dann wohl die Zeit ausgegangen, mutmaßt Goertz. Das reicht nicht für eine Empfehlung.