Melvin Jules Bukiet

Die Launen des Messias

Erzählungen
Cover: Die Launen des Messias
Luchterhand Literaturverlag, München 2000
ISBN 9783630870816
Gebunden, 234 Seiten, 17,38 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Hans-Jürgen Heckler. Theologie und jüdische Mystik, Zeitgeschichte und alte Mythen, böse Satiren, gute Witze und nachdenklich stimmende Begebenheiten aus dem heutigen Leben der jüdischen Diaspora in New York, Minnesota oder Chicago - aus diesen Ingredienzien mischt Melvin Jules Bukiet neun Erzählungen, die den Kern des jüdischen Glaubens umkreisen: die Widerrede. Da gibt es den Juwelier im Diamantenviertel Manhattans, der den merkwürdigen Wunsch einer Kundin erst als unmöglich abtut, dann die Kabbala und die Gematrie bemüht und doch erst versteht, als es zu spät ist. Der Niedergang eines korrupten koscheren Metzgers wird mit Parallelen zum Alten Testament und satirischen Kommentaren zu jüdischen Essgewohnheiten illustriert, und ein Rabbi geht nicht nur einen Pakt mit dem Teufel ein (der sich wehmütig an Zeiten erinnert, da ein Vertrag mit einem Anstreicher aus Braunau sehr erfolgreich war), sondern überlistet ihn am Ende... Bukiets Geschichten zeigen Menschen, die auf Gottes Erde leben, nicht aufhören können, mit ihm zu hadern, und die Launen des Messias genau beobachten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.02.2001

Woran glauben wir? Und wohin treibt uns das? Diese Fragen filtert die Rezensentin Aimée Torre Brons als Kernfragen aus Melvin Jules Bukiets Erzählband "Die Launen des Messias" heraus. Dabei meint man zunächst, hier gehe es allein um die Grauen des Holocaust. Aber Bukiet, den die Rezensentin als intelligenten und raffinierten Erzähler charakterisiert, legt bewusst falsche Fährten und spielt mit der Erwartungshaltung des Lesers, so Torre Brons. Bei diesem jüdischen Autor gehe es weniger um die Aufarbeitung der Geschichte als vielmehr um alltägliche Geschichten aus der gegenwärtigen amerikanischen Diaspora. Die Erzählungen, stellt Brons fest, sind dabei nicht so alltäglich, wie sie auf den ersten Blick wirken mögen, denn sie kippten häufig ins Phantastische oder stellten sich als philosophische und religiöse Denkspiele heraus. Dafür gibt sie zwei Beispiele: zunächst die Erzählung "Gematrie", in der es um die Wahrheit hinter dem Verbrechen geht, und "Der Teufel und der Holländer", in der ein Teufel verzweifelt nach der Existenz Gottes sucht. Beide Erzählungen geben Zeugnis von Bukiets Tendenz, alles Moralische auf witzige und absurde Weise zu verpacken, lobt die Rezensentin. Sie dienen ihr auch als Beweis dafür, dass es sich bei dem Autor um einen "respektlosen Scherzkeks, begnadeten Erzähler und ernstzunehmenden Philosophen" handelt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2001

Gemischte Gefühle offenbart Markus Reiter in seiner Rezension, die jedoch noch in der Kritik Sympathie für einen Autor durchblicken lässt, der, so meint jedenfalls Reiter, gerne die reale Welt ins Phantastische umkippen lassen würde wie es die lateinamerikanischen Autoren so großartig können. Allein, viele der Geschichten sind "thesenhaft" und "hölzern-konstruiert", klagt der Rezensent. Schlimm sei das vor allem dann, wenn Bukiet sich dem Thema Holocaust nähere. "An Kraft" gewinnen die Geschichten jedoch, wenn sie sich dem "Jüdisch-Schicksalhaften auf Umwegen" nähern, meint Reiter. In diesen Geschichten findet er "Charme", "Witz" und sogar "etwas Augenzwinkernde".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.12.2000

Hanno Zickgraf bewertet Melvin Jules Bukiets vor fünf Jahren im Orginal erschienenen Erzählungen weder einhellig positiv noch negativ. Dass es sich dabei seiner Meinung nach um "Parabeln im Cartoon-Format" handelt, ist ja noch Geschmacksache, aber anderes stört ihn wirklich, etwa der "Zaunpfahl der intertextuellen Referenz oder der symbolischen Identifikation". Auch ärgert ihn, dass es Bukiet nicht wirklich gelingt, sein Wissen über jüdische Mystik dem Leser zu vermitteln, so dass der Leser so immer ein bisschen außen vor bleibt. Trotzdem: er attestiert den Erzählungen, dass sie zum Nachdenken anregen und zwei Geschichten sind ihm eine lobende Erwähnung wert. "Himmels Hühner" findet er zwar skurril, aber nichtsdestotrotz eindrucksvoll und "Die Bibliothek des Moloch" ist für ihn eine Abrechnung "mit geläufigen Praktiken des Erinnerns und Gedenkens und den darin wirksamen Mentalitäten" und als solche sehr wirkungsvoll.
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