Meinrad Inglin

Tagebuch 1913-1920

Von jugendlicher Rebellion zu eigenständiger Autorschaft
Cover: Tagebuch 1913-1920
Chronos Verlag, Zürich 2025
ISBN 9783034018142
Gebunden, 108 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Daniel Annen. Mit zehn Schwarzweiß-Abbildungen. Der Schriftsteller Meinrad Inglin (1893-1971) durchlief einen schwierigen Bildungsweg. Er besuchte verschiedene Abteilungen des Kollegiums Maria Hilf, der Mittelschule in seinem Heimatort Schwyz, ohne die Ausbildung abzuschliessen, und auch Versuche in praktischen Berufen (Uhrmacher, Kellner) brach er ab. Ohne Matur gelang ihm, was er selber als Meisterstreich betrachtete: die Immatrikulation an der Universität Neuenburg. Von 1913 bis 1920 studierte er dort und an den Universitäten Genf und Bern Literaturgeschichte und Psychologie und beschäftigte sich rege mit weltanschaulichen, religiösen und ästhetischen Fragen.Inglins Überlegungen finden ihren Niederschlag in seinem Tagebuch und in weiteren schriftlichen Zeugnissen. Mit kritischem Spürsinn stürzt er sich ins intellektuelle Abenteuer und nimmt zu den geistigen Strömungen seiner Zeit Stellung, zu Nietzsche oder zu Freud etwa, aber auch zu Positionen der Tradition, insbesondere zum einseitig moralistischen Denken im katholischen Milieu. Es ist erstaunlich,wie er, der einst schlechte Mittelschüler, sich in intellektuelle Abenteuer einarbeiten konnte. Das Tagebuch zeigt, dass er sich in dieser Zeit mit verschiedenen Denkformen herumzuschlagen wusste. Eine starke Bezugsfigur ist Dominikus Abury, Philosophielehrer am Kollegium Schwyz, ein Förderer und Mentor aus frühen Tagen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.06.2026

Mit Gewinn liest Rezensentin Beatrice von Matt das Tagebuch von Meinrad Inglin. Aufschluss gibt es ihr vor allem über die politischen Kämpfe, die der Schweizer Schriftsteller in jungen Jahren mit sich austrug: Zu Beginn der Aufzeichnungen noch ganz begeistert von Nietzsches Willen zu Macht und vom Krieg - endlich geschehe etwas Aufregendes, zitiert von Matt indirekt - entwickelte Inglin mit der Zeit zunehmend eine demokratische Haltung, nicht zuletzt wegen seiner Erfahrung als Leutnant im Ersten Weltkrieg. Wie der Autor ausführlich diese Entwicklung dokumentiert und seine Einflüsse darlegt, nach Nietzsche vor allem der Theologe Leonhard Ragaz und der Psychologe Paul Häberlin, scheint die Kritikerin gerne zu lesen. Spannend findet sie außerdem die klaren Bezüge zu den jeweiligen Werken, die parallel entstanden: so bilde der "wild expressionistische" Roman "Phantasus" (bis 1917) noch den jugendlichen Übermut ab, während zentrale Figuren in seinem späteren Erfolgsroman "Schweizerspiegel" (1938) die verschiedenen Stationen seiner eigenen politischen Haltung verkörpern. Die angehängten Kritiken des Autors aus den 10er Jahren komplettieren für von Matt diesen schönen Band.

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