Klappentext
Ein Roman über Europas verletzte Geografie, ihre Schichten aus Erinnerung und Schuld, und den Mut, diese Bruchlinien nicht zu kaschieren, sondern in eine tragfähige Zukunft zu überführen. Zwischen Archiven und Bahnhöfen, Salons und vergessenen Friedhöfen führt die Spur dieser Erzählung zu einem Erbe jenseits des Materiellen - nicht zur Verklärung, sondern zur geduldigen Auseinandersetzung mit Identität, Verantwortung und Zugehörigkeit. "Die Reise nach Europa" zeigt, wie Orte zu Speichern werden und Biografien zu Brücken: Frankfurt, Vaduz, Wien, Tallinn, Greillenstein, Chemnitz, Liberec, Hermanovce, Butschatsch, Czernowitz - ein Kartogramm der Geschichte des alten Erbteils, vermessen mit Gegenwartssinn.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 15.04.2026
"Verworren, kompliziert und langweilig", lautet das vernichtende Fazit von Rezensent Nils Schniederjann nach der Lektüre dieses "Bildungsromans" von AfD-Politiker Maximilian Krah. Das Buch dreht sich um den Anwalt Maik Blumsch, der durch Europa reist, um die Auflösung einer Stiftung zu ermöglichen. Nach Wien führt die Reise, nach Tallín, in die Ukraine und auch in die Familiengeschichte des Protagonisten, dessen Großvater in der SS, der Großonkel NS-Funktionär, der Vater dann Kommunist war, wie wir lesen. Als eine Art Mentor agiert der ältere Anwalt Nikolaus Rennenkampff, der Blumsch mit allerlei rechtskonservativen Weisheiten füttert. Krah will hier wenig überraschenderweise genau das, was er auch als Politiker vertritt: mit einer verdrehten Moderne-Kritik und einer Rückbesinnung auf vermeintliche Wurzeln junge Männer ansprechen, vor allem aber auch die deutsche Erinnerungspolitik kritisieren. Der Nationalsozialismus wird hier zwar weder relativiert noch geleugnet, erscheint aber als eine "unglaubliche Verkettung unglücklicher Umstände", erklärt Schniederjann, ein "einmaliger Ausrutscher", der keiner besonderen historischen Aufarbeitung bedarf. Es gibt aber auch genug ästhetische Mängel, die diese Lektüre ungenießbar machen: vieles wirkt gewollt, über weite Strecken wird trocken theoretisiert, eine Debatte gibt es nicht, weil die Handlung nur "eine richtige Haltung" kennt. Zum Gähnen findet der Kritiker das, zum Fürchten aber nicht: Dieses Buch ist viel zu irrelevant, um gefährlich zu sein, schließt er.
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