Matthias Nawrat

Unternehmer

Roman
Cover: Unternehmer
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2014
ISBN 9783498046125
Gebunden, 144 Seiten, 16,95 EUR

Klappentext

Vielleicht ist das überhaupt das Wesen der Arbeit: Dass sich stets - so schön diese Arbeit auch sein mag - eine zweite Person in einem regt, die nicht arbeiten will. Und fehlt dieses Nichtwollen in einem drin bei einer Tätigkeit, dann handelt es sich nicht um Arbeit. Lipa ist dreizehn, und sie ist Mitarbeiterin des Monats in einem Familienunternehmen der besonderen Art. Gemeinsam mit dem Vater und ihrem kleinen Bruder, dem einarmigen Berti, durchforstet sie die Industrieruinen der Schwarzwaldtäler nach verwertbaren Stoffen, Tantal und Wolfram etwa, denn die, sagt der Vater, "werden uns besonders reich machen". Er sagt: "Heute ist Spezialtag." Und: "Schmerzen müssen wir ertragen können. Das ist das Gesetz des Unternehmertums." Davon, aber auch von Lipas Liebe zum langen Nasen-Timo, vom Aufbegehren und von den unvermeidlichen Verschiebungen im Familiengefüge erzählt Matthias Nawrat. "Unternehmer" sucht nach dem Wert und dem Wesen der Arbeit, der Familie, der Liebe, überhaupt der Beziehungen untereinander und berichtet davon mit den Mitteln der Poesie. Dass Matthias Nawrat als Erzähler die Menschen kennt, als Naturwissenschaftler aber auch die Dingwelt und ihre Gesetze, hält dieses Unternehmen mühelos am Boden der Tatsachen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.09.2014

In Matthias Nawrats Roman "Unternehmer" heißt es an einer Stelle "die Familie ist eine Kapitalgesellschaft", zitiert Rezensentin Alexandra von Arx, und gerade darin besteht die Grundidee dieses Buches, erklärt sie: eine Familie wird durchdrungen von der Sprache und den Denkmustern der Wirtschaft, auch als Familienmitglied ist der Mensch Homo Ökonomikus, so von Arx. Nawrats Geschichte sei damit im Kern sicherlich kapitalismuskritisch, durch die Überspitzung wirke sie aber auch fremd und ein wenig fantastisch. So wird das Empfinden moralischer Ambitionen auf angenehme Weise relativiert, ohne es gleich ganz fallen zu lassen, lobt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2014

Als Gesellschaftskritik geht dieser Roman von Matthias Nwart für Wiebke Porombka durch. Allerdings liest sie die Endzeitgeschichte um ein 13-jähriges Mädchen, das mit Vater und Bruder in den Trümmern der Zivilisation nach Verwertbarem sucht und den Traum vom Neuanfang träumt, viel lieber als poetische Utopie. Gerade weil das Buch kein märchenhaftes Ende hat und mitunter unerträglich traurig und unheimlich rüberkommt, scheint Porombka die Suggestivkraft der Sprache hier so wichtig wie berückend schön.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2014

Mit Matthias Nawrats neuem Roman "Unternehmer" hat Rezensent Christopher Schmidt einen wunderbaren Roman über den Zusammenhang zwischen "Warenwerten und wahren Werten" gelesen. Er begleitet hier eine junge Unternehmerfamilie mit Migrationshintergrund, die mit der chemischen Bearbeitung von Elektroschrott weg aus dem Prekariat wollen und dabei das deutsche Arbeitsethos so verinnerlichen, dass sie sich fast selbst aufgeben. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die dreizehnjährige Lipa, die ganz andere Interessen als ihre aufstiegswillige und disziplinierte Familie hat, bald aber doch Verantwortung übernehmen muss, berichtet der Kritiker. Ganz angetan ist er von Nawrats Sprache, der nicht nur den Ton der Heranwachsenden brillant einfängt, sondern mit Begriffen wie "Köstlichkeitsbescheide"  - für Komplimente - auch eine rührend unbeholfene Kunstsprache entwickelt. Mit diesem herausragenden Heimat- und Coming-of-Age-Roman gelinge es Nawrat Gedanken von Giorgio Agamben und Boris Groys zur Überflussgesellschaft in einem ebenso poetischen wie kunstvollen Buch zu beschreiben, urteilt der faszinierte Rezensent.
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