Mit 32 Seiten Farbbildteil. Leuchtende Pilzmücken, dunkle Bienen, Spechte mit überraschenden Entdeckerfähigkeiten und Schmetterlinge, die Wölfen hinterherfliegen: Unsere Wälder sind voll prallem Leben, mehr als wir auf den ersten Blick wahrnehmen - und doch sind sie zugleich meist eintöniger, als sie es sein müssten. Dabei ist die Artenvielfalt oft besonders gering in Wäldern, die nicht genutzt und sich selbst überlassen werden. Der Biologe und Naturfilmer Jan Haft beschreibt das faszinierende Netzwerk des Lebens im Wald und legt dar, welche der bei uns vorkommenden Waldarten dieses Netzwerk am stabilsten halten: Mittelwälder etwa oder die beinahe vergessenen Weidewälder, die eines gemeinsam haben - sie sind licht und artenreich. Mit vielen Tipps für Waldbesuche.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.12.2024
"Reichlich unorthodox" findet Rezensent Christian Schwägerl, wie Jan Haft in seinem Buch das Thema Wald angeht: Denn entgegengesetzt zur gängigen Annahme vertritt der studierte Biologe die Meinung, dass ein guter und artenreicher Wald gerade nicht ein besonders dichter, dunkler und unberührter ist, sondern ein lichter, von Weidehaltung und Schneisen durchsetzter "Mittelwald". Zum Ideal des strikt von der Weidehaltung getrennten Wald sei es erst dadurch gekommen, dass der Adel sich auf der Jagd von grasendem Vieh gestört fühlte, und auch historisch habe in Europa, insbesondere in Deutschland, lange eher ein "Savannen"-artiges Waldbild vorgeherrscht. Durch Vieh offengehaltene Lichtungen und Schneisen seien gar notwendige Bedingungen für viele Vogel-, Pflanzen- und Insektenarten, liest Schwägerl. Dass der Autor mit seinen zunächst "zaghaft", dann immer "vehementer" vorgetragenen Thesen, ergänzt um gelungene Naturschilderungen, bei traditionell orientierten Ökologen und Frostleuten auf Widerspruch stoßen dürfte, ist für den Kritiker klar. Auf welcher Seite er sich selbst verortet, legt er nicht ganz offen, wenngleich er Haft einen "argumentativen Dickschädel" zuschreibt.
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