Wer mit siebenunddreißig Jahren bei seiner Tante lebt, keiner Arbeit nachgeht und noch nie eine Freundin hatte, mit dem stimmt etwas nicht. Das ahnt auch Holm, dessen Leben sich zwischen Kaffeekränzchen seiner eierlikörtrinkenden Tante, Supermärkten und Miederwarengeschäften abspielt. Holms Verschrobenheit und Lebensferne führen nicht geradewegs ins Abenteuer. Aber dann lernt Holm eine Frau kennen - ein Vorgang, der auch für weniger komplizierte Charaktere mitunter eine Herausforderung sein kann. Und diese Begegnung mit der Damenoberbekleidungsverkäuferin aus dem KaDeWe zeigt, wie grotesk, wie komisch, wie lächerlich es sein kann, sich Menschen anderen Geschlechts zuzuwenden. Die Beziehung nimmt ihren Lauf. Neue Fragen stehen im Raum. Ist es Liebe? Und was ist zu tun, wenn man am Ziel angelangt ist, aber statistisch gesehen noch über vierzig Jahre vor einem liegen?
So wenig "frühlingshaft" so wenig "vonderleyenhaft" also sieht es in der Gedankenwelt jener Generation aus, die eine demografische Wende herbeiführen soll, staunt Georg Diez. Voller "Ha-Ha-Biederkeit" sei dieser Roman, ein Spiel mit den angestaubten Geschlechterrollen jener "imaginären fünfziger Jahre, durch die wir seit einiger Zeit wanken." Holm, ein Couchmuffel in der Vorstadt, wird von seiner Tante in eine Welt voller "unangenehm sinnlicher Verwirrungen" gestoßen. Was eine interessante Konstellation für ein Psychogramm des modernen Mannes sein könnte, erweist sich letztlich als Weiden an der "Zwanghaftigkeit, am Monomanischen und emotional Zurückgebliebenen" der Hauptfigur. Dahinter, so der Rezensent, verbirgt sich unverkennbar ein "ironisch maskierter Wunsch", sich die sexuelle Revolution und emanzipierte Weiblichkeit so weit wie möglich vom Leibe zu halten.
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