Mary Shelley

Mathilda

Roman
Cover: Mathilda
Pendragon Verlag, Bielefeld 2025
ISBN 9783865328700
Gebunden, 196 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Stefan Weidle. Mary Shelley schrieb mit "Frankenstein" einen wegweisenden Roman der Schwarzen Romantik. Auch in dem nachfolgenden Werk "Mathilda", das erst über hundert Jahre später posthum veröffentlicht wurde, verarbeitete sie Themen wie Obsession, Empfindsamkeit und die Erhabenheit er Natur. Die junge Mathilda wächst nach dem Tod ihrer Mutter einsam und ohne Zuwendung auf. Erst als ihr Vater aus seinem selbst auferlegten Exil zurückkehrt, wagt sie, auf Glück zu hoffen. Doch nach wenigen gemeinsamen Wochen legt sich ein Schatten über die Beziehung der beiden, und Mathilda droht in einen noch tieferen Abgrund zu stürzen …

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 05.04.2025

Gruselig findet Rezensentin Diba Shokri Mary Shelleys Erzählung, die nach über 200 Jahren endlich auch auf Deutsch erscheint, nicht nur, weil ihr das Grauen innewohnt, sondern auch, weil der inzestuöse Horror um die Halbwaise Mathilda und ihren Vater sich 2025 immer noch aktuell anfühlt. Shokri versteht das Buch auch als "Kommentar zur monströsen Aggression literarischer Empfindsamkeit", denn der zum Entstehungszeitpunkt vorherrschende literarische Trend schlägt sich darin vor allem in der Figur des Vaters nieder, der seine Tochter als seinen "Augenstern" und "Ein und alles" bezeichnet und gleichzeitig mit seinem Begehren nach ihr "immer tiefere Spuren der Verwüstung" hinterlässt. Der Grusel steigert sich in einem handwerklich unglaublich gut gemachten "Crescendo" findet Shokri, bis Mathilda keinen Ausweg mehr sieht, als ihren besten Freund zu einem Doppelselbstmord zu überreden. Dass Mathilda sich nicht als Opfer, sondern wegen der Taten des Vaters als "Monster" versteht, findet die Kritikerin erschütternd aktuell.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 22.03.2025

Rezensentin Sigrid Löffler klärt uns zunächst über Veröffentlichungs- und Deutungsgeschichte von Mary Shelleys Roman "Mathilda" auf: Die Reinschrift, die Shelley ihrem Vater William Godwin schickte, ging verloren, in Kleinarbeit wurde der Roman aus den Notizbüchern in den Archiven rekonstruiert und 1959 erstmals veröffentlicht. Dank Stefan Weidle liegt nun auch eine erste deutsche Übersetzung der Geschichte eines Vaters vor, der seiner Tochter sein inzestuöses Begehren gesteht und darauf Selbstmord aus Scham begeht. Die Tochter offenbart in einem Bekenntnisbrief an ihren Dichterfreund Woodville ihr eigenes Bedürfnis zu sterben, bis sie schließlich der Schwindsucht erliegt, resümiert Löffler. Lange wurde der Text autobiografisch verstanden, Weidle deutet ihn, wie auch die moderne Literaturwissenschaft eher als Werk der Fiktion, weiß die Kritikerin. Dennoch gibt es autobiografische Bezüge, fährt sie fort: So war Shelley selbst oft mit Suizid im engsten Kreis konfrontiert, auch die Grundstimmung der "empfindsamen Schwermut", die den Roman grundiert, war der Autorin nicht fremd, so Löffler. Der "exaltierte Stil des Affekt-Überschwangs" scheint die Rezensentin nicht zu stören, sie empfiehlt die Lektüre gern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2025

Mary Shelley kennt man eher für ihren "Frankenstein", räumt Rezensent Tilman Spreckelsen ein, aber dieser Nachfolgeroman ist für ihn nicht weniger bedeutend: Die titelgebende Protagonistin Mathilda wächst bei ihrer Tante auf, ihre Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben, der Vater streift durch die Welt. Als er dann doch zurückkehrt, ist sie sechzehn und seine Beziehung zu ihr nimmt inzestuöse Züge an, wie Spreckelsen erläutert. Auf den Suizid des Vaters folgt in dieser Geschichte von "Einsamkeit und Verlust" ein kunstvoller und zugleich luzider Blick ins Innere der Figur der Mathilda, die sich ebenfalls mit Suizidgedanken plagt - aus diesen existenziellen Passagen erschließt sich der Kritiker, warum das Buch erst mehr als hundert Jahre nach ihrem Tod veröffentlich wurde, sie machen aber auch seinen fortwährenden Reiz aus, schließt er.
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