Martin Zimmermann

Versunkene Welten

Ruinenstädte in der Antike von Troja bis Pompeji
Cover: Versunkene Welten
C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN 9783406836190
Gebunden, 544 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Mit 13 farbigen Abbildungen und acht Karten in einem Tafelteil.  Heutzutage spazieren Millionen von Besuchern durch antike Ruinenstädte. Voll Bewunderung studieren wir die verfallenen Gebäude und Monumente und stellen uns vor, wie der Alltag der Menschen damals ausgesehen haben mag. Nostalgie und romantische Wehmut angesichts des Untergangs der alten Kulturen sind jedoch moderne Phänomene. Martin Zimmermann lässt uns bedeutende Stätten wie Troja, Mykene, Ninive und Pompeji mit ganz neuen Augen sehen - nämlich mit denen der antiken Menschen selbst. Städte sind wie Menschen - das war in der Antike eine verbreitete Vorstellung. Sie entstehen, um eines Tages zu sterben, während an anderen Orten neue erblühen. Ganz anders als heute ging man im Altertum mit den zahlreichen zerstörten Städten, die schon damals im Mittelmeerraum allgegenwärtig waren, wesentlich pragmatischer um: Ruinen hatten nichts Positives an sich, sie wurden entweder beseitigt oder schlichtweg ignoriert. Nur in Ausnahmefällen wurden sie auch als Erinnerungsorte inszeniert und nutzbar gemacht. Aber warum? Martin Zimmermann nimmt uns mit auf eine faszinierende Reise durch die Trümmerlandschaften der Antike. Er erhellt die verschiedenen Gründe für den Zerfall einer Stadt (Kriege, Naturkatastrophen, Umsiedlungen) und zeigt, wie die damaligen Menschen durch Planungswille, Mobilität und Improvisationstalent immer wieder Auswege selbst aus den dramatischsten Situationen fanden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.07.2026

Martin Zimmermann hat, findet Rezensent Clemens Klünemann, ein ausgesprochen originelles Buch über die Ruinen der Antike geschrieben. Und zwar, weil sich der Althistoriker primär nicht mit unserem Blick auf antike Ruinen beschäftigt, sondern mit Städten, die schon in der Antike (teilweise) Ruinen waren. Es geht ihm dabei darum, die spezielle Zeitwahrnehmung herauszuarbeiten, die in der Antike vorherrschte. Klünemann ist sich zwar nicht ganz sicher, ob es möglich ist, allgemeine Wesensarten von Menschen herauszuarbeiten, die damals in so unterschiedlichen Orten wie Troja, Babylon, Karthago und Rom gelebt hatten; gleichwohl kann er einiges anfangen mit Zimmermanns Überlegungen zum "myth-historischen" Denken der Antike. Also einer Weltsicht, in der Geschichte und Mythos noch nicht strikt getrennt sind. In der Tat argumentiere der Autor, dass in der Antike Geschichte in Form von Ruinen lebendig gehalten werde, indem sie in aktuelle Erzählungen eingebaut werde; in der Moderne hingegen würden Ruinen eher konserviert und ästhetisch betrachtet. Klünemann zieht Verbindungen zum Troja-Streit der 2000er Jahre, in dem es um die Authentizität der Ruinen von Troja ging. Zimmermann schlägt sich in seinem klugen Buch eher auf die Seite derer, die, wie der Althistoriker Frank Kolb, antike Ruinen als "Traumgebilde" bezeichneten, schließt der Kritiker.