Aus dem Polnischen von Joanna Manc, Martin Pollack und Renate Schmidgall. 38.196 Mal hat Janina Turek in 57 Jahren das Telefon abgehoben, 1922 Mal hat sie sich mit jemandem verabredet: Janina Turek hat alles, buchstäblich alles in ihrem Leben notiert. Limalo besitzt in einem Vorort von Warschau eine Villa und macht Geschäfte; plötzlich bricht er auf, um in Transsilvanien nach seinen Vorfahren zu suchen. Am 9. März 1995 übergießt sich Zbigniew K. in Manhattan mit Benzin und verbrennt. Drei markante Schicksale, drei Beispiele für die literarische Gattung der Reportage, wie sie es bei uns fast nicht mehr gibt, in Polen aber hohe Tradition hat. Martin Pollack hat in diesem Band eine Auswahl der besten polnischen Reportagen aus mehr als einem Jahrzehnt getroffen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2006
Beeindruckt zeigt sich Sabine Berking von diesem Band mit polnischen Reportagen aus den letzten zehn Jahren, die Martin Pollack herausgegeben hat. Die Themen Zugehörigkeit und Identität spielen in den Reportagen ihres Erachtens eine Hauptrolle. Oft gehe es auch um ein "Aufräumen in den Kellern der Geschichte" und um alte, immer noch offene Wunden. Ausführlich berichtet sie über die Geschichten, der sich die Reportagen angenommen haben. So schildert sie den Fall zweier kleiner polnischer Gemeinden, die sich gegen das Erbe wehren, Geburts- und Lebensort des jüdischen Schriftstellers und späteren Literaturnobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer zu sein. Berührt hat sie auch die Geschichte über eine Amerikanerin ukrainischer Herkunft, die sich in ein ostpolnisches Dorf aufmacht, wo vor einem halben Jahrhundert ihr Mann ums Leben kam, und wo er bis heute ohne Grab unter der Erde liegt.
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